01.12.2018 
Zum Tode von George H. W. Bush

Der US-Präsident mit besonderer Beziehung zu den Deutschen

Ex-US-Präsident George H. W. Bush und Altkanzler Helmut Kohl bei einer Feierstunde 2009: Der Amerikaner war ein wichtiger Fürsprecher der deutschen Wiedervereinigung.
DPA
Ex-US-Präsident George H. W. Bush und Altkanzler Helmut Kohl bei einer Feierstunde 2009: Der Amerikaner war ein wichtiger Fürsprecher der deutschen Wiedervereinigung.

Er steuerte die USA durch das Ende des Kalten Krieges und gründete eine politische Dynastie: Der ehemalige US-Präsident George H. W. Bush ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Das teilte seine Familie am späten Freitag mit. Eine Todesursache nannte sie nicht, doch litt Bush an einer Parkinson-Erkrankung. Bushs Nachfolger im Weißen Haus von Bill Clinton bis Donald Trump würdigten die Verdienste des 41. Präsidenten.

Seine Geschwister und er müssten voller Trauer mitteilen, "dass unser lieber Vater nach 94 außerordentlichen Jahren gestorben ist", erklärte Bushs Sohn und späterer Nachfolger an der Staatsspitze, George W. Bush, im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der Verstorbene sei "der beste Vater gewesen, den ein Sohn oder eine Tochter sich wünschen konnte".

Nach Angaben des Sprechers der Familie, Jim McGrath, starb Bush bei sich zu Hause in Houston im Kreise seiner Angehörigen und enger Freunde. Er starb nur knapp acht Monate nach seiner Frau Barbara. Die beiden waren 73 Jahre verheiratet, hatten fünf Kinder - ein sechstes Kind, Tochter Robin, starb noch vor ihrem vierten Geburtstag an Leukämie - und 17 Enkelkinder. Barbara stand stets an Bushs Seite, vor allem nach seiner bitteren Wahlniederlage nach nur einer Amtszeit.

Als Präsident war der Republikaner ein pragmatischer Außenpolitiker, der durch den turbulenten, aber größtenteils friedlichen Zusammenbruch der Sowjetunion nach dem Mauerfall 1989 navigierte. In Deutschland ist ihm als großem Fürsprecher der Wiedervereinigung Nachruhm sicher. 1990 rief er eine "neue Weltordnung" aus und vertrieb mit Mandat der Vereinten Nationen irakische Truppen aus Kuwait.

Der hoch dekorierte Kriegspilot, ehemalige CIA-Chef und langjährige Vize-Präsident unter Ronald Reagan verbrachte nur vier Jahre im Weißen Haus. Eine schwache Wirtschaft, verbunden mit dem Bruch seines früheren Wahlversprechens, keine Steuern zu erhöhen, verhinderte seine Wiederwahl - stattdessen wurde 1993 der 22 Jahre jüngere Demokrat Bill Clinton Präsident.

In den Jahren nach seiner Präsidentschaft wandte sich Bush mehr und mehr wohltätigen Zwecken zu. Nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean im Jahr 2004 und dem verheerenden Erdbeben in Haiti 2010 sammelte er gemeinsam mit Clinton Geld für die Opfer. Im vergangenen Jahr setzte er sich gemeinsam mit Clinton, Barack Obama und Jimmy Carter für die Hurrikan-Opfer in Texas ein.

Die Vorliebe des Verstorbenen für Stabilität und internationalen Konsens steht in scharfem Kontrast zum Vorgehen des aktuellen Amtsträgers Donald Trump - den Bush sen. als Anhänger derselben Partei nicht wählte.

Präsident Trump lobte in einer ersten Reaktion die "unerschütterliche Führung" des Verstorbenen. Mit seiner "grundlegenden Glaubwürdigkeit, seinem entwaffnenden Witz und seinem unerschütterlichen Einsatz für Glauben, Familie und sein Land" habe Bush "Generationen von Amerikanern" inspiriert.

Er sei "zutiefst dankbar für jede Minute", die er mit Präsident Bush verbracht habe und werde diese Freundschaft stets als "eines der größten Geschenke in meinem Leben" erachten, erklärte Bushs demokratischer Nachfolger Clinton.

"Amerika hat mit George Herbert Walker Bush einen Patrioten und bescheidenen Diener verloren", erklärten Barack und Michelle Obama. Nach 73-jähriger Ehe seien George und Barbara Bush nun wieder vereint. 2011 hatte Obama seinen Vorgänger mit der Freiheitsmedaille des US-Präsidenten ausgezeichnet, der höchsten Ehrung für einen Zivilisten.

George H. W. Bush war der angesehene Patriarch einer politischen Dynastie. Sein Sohn George W. Bush verbrachte zwei Amtszeiten im Weißen Haus und sein Sohn Jeb war Gouverneur im US-Bundesstaat Florida.

Der Sarg mit dem 41. US-Präsident dürfte zunächst im Kapitol in Washington aufgebahrt werden. Die Modalitäten der Trauerfeierlichkeiten sollen nach Angaben des Sprechers McGrath später bekanntgegeben werden. Studenten in Dallas hielten örtlichen Medienberichten zufolge am frühen Samstag mit Kerzen eine Totenwache für den verstorbenen Präsidenten ab.

cr/afp