30.07.2018 
Brexit-Verhandlungen

78 Prozent der Briten entziehen May das Vertrauen

Die Zustimmung für Theresa Mays Kurs bei den Brexit-Verhandlungen ist auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen
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Die Zustimmung für Theresa Mays Kurs bei den Brexit-Verhandlungen ist auf einem absoluten Tiefpunkt angekommen

Ist Theresa May noch die Richtige, um den Brexit zu verhandeln? 78 Prozent der Briten glauben das laut aktueller Umfrage nicht. Jeder zweite Brite würde gern neu abstimmen. Gut ein Viertel wiederum befürwortet den harten Ausstieg aus der EU ohne Anschlussabkommen.

Die Hälfte der Briten will einer Umfrage zufolge eine Volksbefragung darüber, ob das Land mit oder ohne Abkommen aus der Europäischen Union austreten oder doch in ihr verbleiben sollte. Bei einer solchen Umfrage würden sich dem Sender Sky News zufolge 48 Prozent für einen Verbleib in der EU aussprechen. 27 Prozent wollten ohne ein Abkommen (harter Brexit) mit der EU austreten und 13 Prozent unterstützten den von Premierministerin Theresa May vorgeschlagenen Vertrag, teilte Sky News am Montag mit.

Der Regierungschefin stellten die Befragten ein schlechtes Zeugnis aus: 78 Prozent sind der Meinung, dass sie den Brexit schlecht verhandelt. Das sind 23 Punkte mehr als bei einer Umfrage im März.

In einer Freitag veröffentlichten Umfrage hatte sich eine Mehrheit für ein Referendum über die endgültige Brexit-Vereinbarung zwischen Großbritannien und der EU ausgesprochen. Acht Monate vor dem EU-Austritt am 29. März 2019 sind die Briten tief darüber gespalten, wie der Brexit vollzogen werden soll.

Bei der Brexit-Volksabstimmung im Juni 2016 hatten 51,9 Prozent der Wähler für, 48,1 Prozent gegen den Austritt gestimmt. May lehnt bislang eine weitere Volksbefragung ab. Die bisherigen Vorschläge der Regierung in London für einen Austrittsvertrag stoßen bei der EU-Kommission und im Europaparlament auf Widerspruch. Daher bereiten sich beide Seiten auch auf einen ungeregelten Austritt Großbritanniens vor.

Notenbankpräsident warnt vor Folgen der Abschottung

Großbritanniens Notenbankchef Mark Carney hat indes vor den Folgen einer wirtschaftlichen Abschottung gewarnt. Der Weg des Protektionismus werde Arbeitsplätze, Wachstum und Stabilität kosten, sagte Carney der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem am Montag veröffentlichten Interview.

Mit einer Liberalisierung des Handels könne dagegen unter anderem erreicht werden, dass mehr Bevölkerungsschichten von der Globalisierung profitierten. Die Aussagen dürften an die Adresse von US-Präsident Donald Trump gehen, der einen Handelsstreit mit der EU, China und anderen Ländern vom Zaun gebrochen hat.

China bringt Freihandelsabkommen mit Großbritannien ins Gespräch

China wiederum hat ein Freihandelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit ins Gespräch gebracht. Außenminister Jeremy Hunt sagte am Montag nach einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi, dieser habe "die Aufnahme von Diskussionen" darüber angeboten. Großbritannien begrüße dies. Wang selbst sprach zwar nicht von einem Freihandelsabkommen. Er erklärte jedoch, man habe vereinbart, "den Umfang des Handels und der gegenseitigen Investitionen auszuweiten". Ein Freihandelsabkommen mit China wäre ein Erfolg für Premierministerin Theresa May, deren Strategie beim Brexit von den Briten zunehmend kritisch gesehen wird.

Die Regierung in London hat sich bereits in der Vergangenheit für eine Freihandelsvereinbarung mit China ausgesprochen. Sie hat zudem chinesischen Firmen signalisiert, dass deren Geschäfte auf der Insel willkommen sind. Meist sind allerdings jahrelange Verhandlungen notwendig, bevor ein Freihandelsabkommen in Kraft tritt. Ohnehin könnten in diesem Fall die Gespräche erst aufgenommen werden, nachdem Großbritannien im kommenden Jahr aus der Europäischen Union ausgetreten ist. Die Gespräche zwischen Großbritannien und der EU gestalten sich dabei nach wie vor schwierig.

rei/dpa/Reuters

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