13.06.2018 
Kein Geld für Wohnungsbau

Amazon-Kritik wirkt - Seattle schafft Steuer ab

Amazon Jeff Bezos beim Rundgang durch spektakulären Konzern-Neubau "Spheres" in der US-Stadt Seattle
AP
Amazon Jeff Bezos beim Rundgang durch spektakulären Konzern-Neubau "Spheres" in der US-Stadt Seattle

Eine Steuer auf Jobs? Das ging Amazon und anderen Firmen zu weit. Nach Protesten hat die Stadt Seattle in den USA die Steuer abgeschafft. Mit den Erlösen aus der Steuer wollten die Stadtväter den Wohnungsbau fördern. Denn die Zahl der Obdachlosen, die sich die Miete nicht mehr leisten können, steigt stetig. Kritiker machen dafür auch die gut bezahlten Mitarbeiter von Amazon mit verantwortlich.

Nach Kritik von Amazon und anderer Firmen hat Seattle die umstrittene neue Job-Steuer zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit schnell wieder abgeschafft. Nach der Entscheidung von Mitte Mai sollten größere Unternehmen jährlich 275 Dollar pro Mitarbeiter zahlen. Nun kippte der Stadtrat das Vorhaben am späten Dienstag (Ortszeit) mit einer Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen.

Die Steuer sollte für Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über 20 Millionen Dollar gelten. Bezahlt werden sollen auf jeden Beschäftigten, der mindestens 1920 Stunden pro Jahr arbeitet. Nach Schätzungen des Stadtrats wären rund 585 Arbeitgeber davon betroffen sein - rund 3 Prozent aller Unternehmen in Seattle.

Die Steuer sollte ab 2019 rund 47 Millionen Dollar jährlich für Wohnungsbau bringen und war zunächst auf fünf Jahre angesetzt. In der Stadt war zuletzt die Zahl der Obdachlosen stetig gewachsen, als ein Grund dafür wird der Anstieg der Mietpreise gesehen, weil Seattle zunehmend zum Standort für Tech-Unternehmen wird.

Amazon hätte allein 11 Millionen Dollar zahlen müssen

Neben großen Arbeitgebern wie Amazon und Starbucks hatten mehrere Dutzend andere Unternehmen die Steuer verurteilt und vor negativen Folgen für den Wirtschaftsstandort Seattle. "Wir haben Sie gehört", erklärten Bürgermeisterin Jenny Durkan und sieben Mitglieder des Stadtrats in einer gemeinsamen Erklärung am Montag, die die Kehrtwende einleitete. Stadträtin Kshama Sawant, eine treibende Kraft hinter der neuen Steuer, sprach auf Twitter von einem "Verrat im Hinterzimmer". Die Rücknahme des Vorhabens sei am Wochenende hinter ihrem Rücken eingefädelt worden.

"Spheres": Video zu neuer Amazon-Zentrale in Seattle

Der Betrag von 275 Dollar war bereits ein von Bürgermeisterin Durkan ausgehandelter Kompromissvorschlag statt der ursprünglich angepeilten 500 Dollar pro Mitarbeiter. Amazon hat seinen Hauptsitz in Seattle und wäre bei seinen rund 50.000 Beschäftigten in der Stadt auf einen Betrag von elf Millionen Dollar pro Jahr gekommen. Der weltgrößte Online-Händler hatte wegen der Steuer die Ausbaupläne in seiner Heimatstadt in Frage gestellt.

Das Unternehmen hatte eine spektakulär gestaltete neue Unternehmenszentrale Anfang des Jahres eingeweiht. "The Spheres" (siehe Video) bietet Plazt für 800 Amazon-Beschäftigte. Das Projeikt soll angeblich selbst für 600 zusätzliche Jobs gesorgt haben.

rei/dpa

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