04.10.2017  Von Albrecht bis Würth

Wie die zehn reichsten Deutschen ihr Vermögen mehren

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5. Teil: Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht: Alte Ordnung aufgelöst

Platz 6: Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht (Bild); Aldi Nord, Essen; Einzelhandel, Immobilien; 18 Mrd. Euro (+ 0,8 Mrd.)
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Platz 6: Familien Theo Albrecht Jr. und Babette Albrecht (Bild); Aldi Nord, Essen; Einzelhandel, Immobilien; 18 Mrd. Euro (+ 0,8 Mrd.)

Jahrzehntelang war das Discountimperium der Albrechts ähnlich abgeschottet wie Nordkorea. Über Eigner, Umsätze und Gewinne ließ sich trefflich orakeln, denn nichts Genaues wusste man nicht. Nur dass die Brüder Theo und Karl Albrecht die Gründer von Aldi waren und sie sehr, sehr vermögend sein mussten, das war einigermaßen klar. Aber wie, zum Beispiel, sahen die Herren aus? Niemand wusste es. Die Handelsherrscher, die ihr Reich früh in Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt hatten, zogen es vor, Phantome zu bleiben. Das gelang ihnen und ihren Familien bis zu ihrem Lebensende vortrefflich: Theo verschied 2010, Karl 2014.

Die Nordseite, Theos Lebenswerk, hatte also eigentlich reichlich Zeit bisher, ihre Angelegenheiten neu zu ordnen. Eine Weile lang blieb alles 2012 auch noch Theos Sohn Berthold starb, gab's ein Halten mehr. Wie das beim Erben eben oft ist: Kaum ist der Alte tot, löst sich auch die alte Ordnung auf. Nun poppen die Indiskretionen aus dem Nord-Reich heraus wie das Popcorn aus der heißen Pfanne.

Als die, die den Deckel angehoben hat, verdächtigen diejenigen Albrechts, die lieber alles so verschwiegen gelassen hätten wie gehabt, Babette Albrecht (57), Bertholds Witwe. Die Eingeheiratete kämpft in Namen ihrer fünf Kinder um Einfluss in den Stiftungen, die die wahre Macht bei Aldi haben, das Sagen hat. Zwecks Verteidigung gegen die wildgewordene Witwe brach Theo Albrecht junior gar mit einem Tabu und gab tatsächlich ein Interview - um seine Schwägerin zu beschimpfen.

All das lenkt bei Aldi Nord davon ab, dass man in den vergangenen Jahren immer weiter hinter die Konkurrenz von Lidl zurückgefallen ist und dringend aufholen muss, wenn man im Reichen-Ranking nicht noch weiter nach hinten durchgereicht werden möchte. Immerhin hat sich die Nordsippe kürzlich mal zusammengerauft: Damit der Rückstand zu Süd-Stamm und zum Großkonkurrent Lidl nicht noch größer wird, werden nun 5,2 Milliarden Euro in die Modernisierung der Filialen investiert. Das ist doch auch mal ein Wort.

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