04.10.2017  Von Albrecht bis Würth

Wie die zehn reichsten Deutschen ihr Vermögen mehren

Von

10. Teil: Familie Reimann: Ein Deal-Flow wie ein reißender Strom

       Platz 1:        Familie Reimann;        JAB Holding (im Bild Holdingchef Peter Harf), Luxemburg; Coty, USA; Reckitt Benckiser, Großbritannien; Jacobs Douwe Egberts, Niederlande; Reinigungsmittel, Kosmetik, Kaffee; 33 Mrd. Euro (+ 4 Mrd.)
REUTERS
Platz 1: Familie Reimann; JAB Holding (im Bild Holdingchef Peter Harf), Luxemburg; Coty, USA; Reckitt Benckiser, Großbritannien; Jacobs Douwe Egberts, Niederlande; Reinigungsmittel, Kosmetik, Kaffee; 33 Mrd. Euro (+ 4 Mrd.)

Die Reimanns, die neuen Spitzenreiter unter den reichsten Deutschen, liefern regelmäßig Zahlen ab, bei denen selbst ganz normale Milliardäre Schnappatmung kriegen. Die größte zuerst: Mehr als 70 Milliarden Euro verwaltet ihre Familienholding mittlerweile. Davon gehört zwar nicht alles den Reimanns, und manche Deals bei ihrer aggressiven Expansion sind auch auf Pump finanziert. Aber Banken und andere Kreditgeber geben ja gern, wenn Bonität und Track-Record stimmen. Beides ist bei den Reimanns unbedingt der Fall.

Zum Beweis ein paar weitere Zahlen: 7,5 Milliarden Euro berappten die Reimanns 2013 für den niederländischen Kaffeekonzern D.E. Master Blenders. 11,1 Milliarden Euro waren 2015 fällig für ein Produktbündel namens Wella, das der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble losschlug. 12,8 Milliarden Euro legten sie 2016 für den US-Kaffeekonzern Keurig Green Mountain hin. Die US-Bäckereikette Panera kostete 7,5 Milliarden Dollar. Eine Übernahme wie die der Hamburger Balzac Coffee Company für ein paar Millionen wie in diesem Sommer fällt da kaum noch ins Gewicht.

Die Ziele der Reimanns sind global und scharf umrandet

Der Deal-Flow der Reimanns ist wie ein reißender Strom. Aber seine Ziele sind global und scharf umrandet: Ins Kaffeebusiness etwa stieg die Familie erst 2012 ein; fünf Jahre später gebietet sie über etwa 20 Prozent des globalen Kaffeeabsatzes, ob als Pulver oder Bohne, ob in Alu-Kapseln oder im Keramikbecher diverser Kaffeeketten.

Der ungemein erfolgreiche Kurs unter Holdingchef Peter Harf (71) hat das Vermögen der Familie in den vergangenen Jahren so rasch emporschnellen lassen, dass man sich ungläubig die Augen reiben muss. Aber das hilft nichts: Es stimmt wirklich.

Die Vorväter des kleinen Clans sind übrigens Karl Ludwig Reimann und Johann Adam Benckiser. Die hatten Mitte des 19. Jahrhunderts in Ludwigshafen eine Chemiefabrik gegründet. Die ging irgendwann im Konsumgüteriesen Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident, Clearasil) auf. Die Dividenden auf jene acht Prozent - aktueller Wert: 7,4 Milliarden Euro -, die die Reimanns behielten, bildeten die Basis für ihren beispiellosen Vermögenszuwachs.

Lesen Sie auch: Zahl der Milliardäre in Deutschland stark gestiegen

Und wer sind diese Reimanns eigentlich? Es sind die Geschwister Wolfgang Reimann (65), Renate Reimann-Haas (65), deren Halbbrüder Stefan (54) und Matthias (52) Reimann-Andersen sowie deren insgesamt zehn Sprösslinge. Teile der Familie wurden vor Jahren ausbezahlt, so dass die Zahl der Mitredenden überschaubar blieb. Einige haben aber mittlerweile wieder reinvestiert, läuft ja blendend bei den Verwandten. Ein strenger Kodex verbietet das Einmischen ins Operative. Und die Reimanns haben sich extremste Zurückhaltung auferlegt, was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht. Kurzum: Den reichsten Deutschen wäre es am liebsten, sie würden einfach vergessen.

10 / 10

Mehr zum Thema