13.08.2017  Bundestagswahl: Martin Schulz im Rhetorik-Check

Der Herausforderer macht fast alles richtig. Fast.

Eine Meinungsmache von Stefan Wachtel
DPA

4. Teil: Sprachstil: Präzise - zu präzise

Das vielleicht rätselhafteste Phänomen: Martin Schulz kann präzise formulieren, oft sogar einfach und mündlich: "Was die Flüchtlinge mit zu uns bringen, ist wertvoller als Gold."

Oft allerdings wirkt er allzu präzise, seine Formuliermaschine hat etwas von einer Behörde, die Bescheide ausspuckt; mit Proklamationen, die sich um den Gegenüber nicht zu kümmern scheinen. "Wir wollen die Tarifbindung stärken. Die Gewerkschaften können sich darauf verlassen, dass wir in dieser Sache an ihrer Seite stehen." - "Das Land, in dem ein Unternehmen seinen Profit macht, muss auch das Land sein, in dem das Unternehmen seine Steuern bezahlt." - "Wenn wir Milliarden für die Bankenrettung ausgeben und in den Schulen bröckelt der Putz, dann ist das nicht gerecht. Das muss geändert werden." Sätze wie aus der Stanzmaschine.

Nicht selten formuliert er aber auch nebulös, verfasst Girlandensätze mit vielen Konjunktionen; man kann ihm dann nur schwer folgen. Seine Formulierungen sind korrekt, meist sogar druckreif, da ist er ganz deutsch. Ganz anders als Angela Merkel. Nach dem Wahltag könnten wir fragen wie in dem Kalauer mit den zwei Polizisten: "Und? Was hat es ihm genützt?"

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