13.08.2017  Bundestagswahl: Martin Schulz im Rhetorik-Check

Der Herausforderer macht fast alles richtig. Fast.

Eine Meinungsmache von Stefan Wachtel
DPA

3. Teil: Argumentation: Lob der Klarheit

Stark ist Schulz immer dann, wenn klar ist, was er will. Das will ich. Das will ich nicht. Das wirkt Kanzler-like, Kategorisches verschafft ihm rhetorische und inhaltliche Höhe. Aber weit häufiger ist das das Gegenteil der Fall.

Wenn Schulz weiß, wohin er mit seiner Aussage steuert, wenn er einen Zielsatz hat, kommt er auf den Punkt. So hat es der Coach Christian Skibbe in einem Tageschau-Interview hervorragend beschrieben. Beispiel: "Am Anfang jeder Überlegung muss die Frage stehen, ob die Maßnahme geeignet ist, das Leben der hart Arbeitenden ein bisschen besser zu machen. Das ist es, was die Menschen von uns erwarten." Auf der Höhe der Schulz-Euphorie befanden diejenigen, die in ihm einen politischen Hoffnungsträger sehen wollten, er mache sich mit dem Volk gemein - im besten Sinne, ein bisschen wie sein Namensvetter Luther, der ja auch dem Volk aufs Maul geschaut hat. Er gibt allgemeingültige Versatzstücke seiner Ideologie zum Besten.

Martin Schulz ist taktisch gewieft: Er weiß, wie man unangenehmen Fragen ausweicht, auch wie man anderen Respekt zollt, wenn es einem selber nützt. Auf eine Talkshow-Frage antwortete er: "Manche Dinge werden nicht falsch, nur weil Angela Merkel sie ausspricht." Den anderen respektieren, fast wie die Kanzlerin selber, fast, dieses eine Mal.

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