18.07.2017  Citigroup verschafft der Main-Metropole weiteren Erfolg

Warum Frankfurt der große Brexit-Gewinner werden kann

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Schon wieder eine erfreuliche Nachricht für den Finanzstandort Frankfurt: Mit der Citigroup hat sich eine weitere internationale Großbank dafür entschieden, vor dem Hintergrund des bevorstehenden Austritts der Briten aus der Europäischen Union (EU) ihre Aktivitäten in der Main-Metropole auszubauen. Das US-Geldhaus wolle künftig sein Wertpapier-Handelsgeschäft innerhalb der EU von Frankfurt aus betreiben, berichten diverse Medien.

Damit hat Deutschlands Bankenstandort Nummer eins einen weiteren Erfolg erzielt im Wettstreit der Finanzplätze um Abteilungen und Arbeitskräfte, die große Banken aus aller Welt im Zuge des Brexits aus London abziehen und anderweitig platzieren werden. Bislang ist die britische Hauptstadt der wichtigste Finanzplatz in Europa. Durch den Brexit wird London jedoch an Attraktivität für Banken und andere Finanzfirmen verlieren, denn der Zugang zum Rest der EU dürfte dann von dort aus nicht mehr so einfach möglich sein.

Unter den EU-Finanzzentren ist deshalb ein Wettlauf entbrannt, um möglichst viel Geschäft aus London zu bekommen. Und mehr und mehr kristallisiert sich nun heraus, dass Frankfurt gegenüber Konkurrenten wie beispielsweise Paris, Luxemburg oder Dublin der große Gewinner sein könnte.

Das zeigt auch eine Übersicht, die die Finanznachrichtenagentur Bloomberg laufend aktualisiert. Demnach könnte London im Zuge des Brexit nach derzeitigem Stand mehr als 10.000 Bank-Jobs und 20.000 Beschäftigungsverhältnisse im Bereich Finanzdienstleistungen insgesamt verlieren, weil Kunden bis zu 1,8 Billionen Euro aus der Stadt an der Themse abziehen dürften.

Das dürfte nicht nur Konsequenzen für die Bankbranche in London haben, sondern für die britische Wirtschaft insgesamt. Schließlich steuert der Finanzsektor jährlich rund 190 Milliarden britische Pfund (etwa 216 Milliarden Euro) zum BIP des Landes bei, was etwa 12 Prozent der gesamten britischen Wirtschaft entspricht.

Von JP Morgan über die Deutsche Bank und UBS bis hin zu Goldman Sachs, HSBC und anderen listet Bloomberg alle Pläne von Stellenverschiebungen oder Abteilungsumzügen auf, die die Geldhäuser bislang bekannt gegeben haben - teils mit Angabe des bereits fixierten Zielortes, teils ohne, etwa, weil über die Destination noch nicht endgültig entschieden wurde.

Momentaner Stand: Banken haben bislang laut Bloomberg die bevorstehende Verlegung von gut 13.000 Jobs aus London an andere Orte publik gemacht. Von 9000 davon ist demnach noch nicht klar, wohin der Umzug gehen soll. Doch von den verbleibenden mehr als 4000 Bankern werden mit 2600 laut Bloomberg die weitaus meisten künftig in Frankfurt zur Arbeit gehen.

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