12.07.2017  Tierische Luftbrücke

Die ersten 165 Kühe (aus Deutschland) sind in Katar gelandet

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Milchkühe: 4000 von ihnen sollen künftig in Katar ihren Dienst tun - die ersten 165 sind bereits angekommen.
DPA
Milchkühe: 4000 von ihnen sollen künftig in Katar ihren Dienst tun - die ersten 165 sind bereits angekommen.

Sorgt für stets frische Milch: Der Unternehmer Moutaz Al Khayyat lässt 4000 Milchkühe nach Katar fliegen
Alkhayyat Foundation
Sorgt für stets frische Milch: Der Unternehmer Moutaz Al Khayyat lässt 4000 Milchkühe nach Katar fliegen

Die ersten "Kuh-Bomber" haben Katar erreicht. Allerdings haben die Flieger ihre Ladung nicht, wie einst die "Rosinenbomber" nach dem zweiten Weltkrieg im isolierten West-Berlin, abgeworfen, sondern ordnungsgemäß nach der Landung entladen.

Bei der Ladung handelt es sich um 165 Kühe aus Deutschland, die, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, via Budapest nach Katar geflogen wurden. Insgesamt will der katarische Geschäftmann Moutaz Al Khayyat, Chef der Power International Holding, 4000 Milchkühe aus dem Ausland in sein Land importieren, wie manager magazin online bereits berichtete.

Hintergrund ist die Blockade Katars durch Saudi-Arabien sowie Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten, die sich auch auf die Lebensmittelversorgung im Land auswirkt.

Gerade in dieser Woche haben Saudi-Arabien und seine Verbündeten ihren Standpunkt gegenüber Katar nochmals bekräftigt. In einer am Dienstag in Staatsmedien veröffentlichten Erklärung kündigten die vier Länder an, ihre Maßnahmen gegen Katar beizubehalten und zu verfolgen, wie ernsthaft das Land den Kampf gegen den Terrorismus nehme. Zuvor hatten die USA und Katar ein Anti-Terror-Abkommen unterzeichnet und angekündigt, gemeinsam mehr zu tun, um die Geldquellen von Terrorgruppen aufzuspüren.

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten vor mehr als vier Wochen alle Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Blockade über das Land verhängt. Sie werfen dem Emirat die Unterstützung von Terrorgruppen und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran vor. Mit Spannung war erwartet worden, wie das neue Abkommen die Haltung des Quartetts beeinflussen würde. Katar weist deren Anschuldigungen zurück.

In diesem Zusammenhang steht auch die Aktion von Power International-Chef Al Khayyat: Bis vor einem Monat kam noch der Großteil der Milch und Milchprodukte für die 2,7 Millionen Einwohner Katars aus Saudi-Arabien. Diese Zufuhr ist jedoch durch die Blockade unterbrochen, sodass Ersatz erforderlich ist. Al Khayyat entschied daher, die Milchproduktion in die eigene Hand zu nehmen und zu dem Zweck 4000 Kühe mit Flugzeugen aus Deutschland, Australien und den USA in sein Land zu holen. Binnen eines Monats sollen die Tiere nun vollständig am Golf eingetroffen sein.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Dann will die Power International Holding, eine Unternehmensgruppe, die sonst vor allem im Bauwesen tätig ist und unter anderem Katars größte Shopping-Mall errichtet hat, für 30 Prozent der Milchversorgung des Landes aufkommen. In jüngerer Vergangenheit hatte das Unternehmen bereits einen landwirtschaftlichen Arm aufgebaut: 50 Kilometer nördlich von Doha befindet sich ein Areal so groß wie 70 Fußballfelder. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg wird dort auf "saftig-grünem Rasen" bereits Schafsmilch und -fleisch produziert.

Mit Agenturmaterial

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