15.02.2018 
Haushaltsgeräte-König Marc Robert Bitzer

Der wichtigste deutsche Boss in den USA

Von
Marc Robert Bitzer.
Whirlpool
Marc Robert Bitzer.

Der Schwabe steigt zum wichtigsten deutschen Boss in den USA auf.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 10/2017 des manager magazins, die Ende September erschien. Wir veröffentlichen Sie hier - leicht geändert - als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Der Mann, der bald einen Konzern mit 93.000 Mitarbeitern und 21 Milliarden Dollar Umsatz steuern muss, nimmt auf einem Holzbänkchen am Rande der Internationalen Funkausstellung in Berlin Platz und strahlt mit der Herbstsonne um die Wette. Marc Robert Bitzer (52), ein drahtiger, gewinnender Typ, führt seit Oktober den amerikanischen Weltmarktführer für Haushaltsgeräte (KitchenAid, Whirlpool, Bauknecht) und steht damit als erster Ausländer an der Spitze des 106 Jahre alten Traditionskonzerns. Er ist der wichtigste Deutsche unter den Bossen in den USA.

Für diesen Titel kann er sich nichts kaufen. Im Gegenteil: Er kann sogar zur Belastung werden, zumal sein scheidender Vorgänger Jeff Fettig (60) den Börsenwert seit 2010 mehr als verdoppelt hat. Viel Luft nach oben bleibt da nicht.

Macht Bitzer das nervös? Falls ja, kann er dies gut verbergen. Als das manager magazin ihn im Herbst am Rande der Internationalen Funkausstellung in Berlin trifft, wirkt er entspannt, seine neue Bedeutung scheint ihm nicht zu Kopf zu steigen. Ein arbeitsamer und ausgeglichener Mann. Morgens um sechs Uhr ist er aus dem Flugzeug gestiegen, hat inzwischen die erste Runde über die Messe gedreht und wird am Abend erneut den Atlantik überqueren.

Es ist das Bild des strebsamen Überfliegers, das ihn nervt. Bitzer, 1965 in Balingen geboren, studiert und promoviert in St. Gallen, wird Berater bei der Boston Consulting Group und steigt schnell zum Partner auf. Bei einem Projekt für Whirlpool fällt er dem damaligen Europa-Chef Fettig auf. 1999 wechselt er und erklimmt gemeinsam mit seinem Mentor die Karriereleiter.

Als Fettig seinen COO Bitzer Ende Juni intern zum Kronprinz kürte, war das nicht überraschend. Als Ziehsohn möchte der aber nicht abgestempelt werden. Bitzer bemüht sich regelrecht, Brüche in seiner makellosen Vita zu finden.

Berater? Wollte er nie werden. Viel lieber wäre er in das Textilunternehmen seiner Eltern eingestiegen. Doch das wurde vorher verkauft. Waschmaschinen? Fand er nicht sonderlich interessant.

Jetzt allerdings verändert die Digitalisierung auch den Markt für Haushaltsgeräte. "Die Frage, ob wir in Zukunft noch physische Produkte verkaufen oder nur einen Waschzyklus, ist noch nicht entschieden", sagt Bitzer. Whirlpool kooperiert mit Google , Amazon und Nest, kauft Start-ups und werkelt an der Vernetzung mit dem Smartphone.

Die Branche steht vor einem Umbruch, Bitzer steht für Kontinuität. Er sei seit 14 Jahren Mitglied des Vorstands, sagt er. "Einen dramatischen Wechsel wird es nicht geben."

Trotzdem hat er seine Ziele hochgesteckt. Bitzer verspricht ein langfristiges Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent jährlich, bis 2020 soll die Ebit-Marge auf 10 Prozent steigen. Derzeit sind es 6,5 Prozent, viele Wettbewerber kommen nicht einmal auf 5 Prozent.

Das Konsolidierungspotenzial hält er für groß. "Wir halten die Augen offen." Nur in Deutschland hat Bitzer es schwer. Mit der Marke Bauknecht läuft Whirlpool den Hausherren BSH (Bosch Siemens Hausgeräte) und Miele hinterher. Nun droht auch noch der Küchenhersteller Alno , den Whirlpool jahrelang als Vertriebspartner und Hauptaktionär über Wasser gehalten hat, in einem Machtkampf zu versinken. Dazu äußern möchte sich Bitzer als ehemaliger Alno-Aufsichtsrat nicht.

Überhaupt scheint es, als habe er mit seiner Heimat abgeschlossen. Bitzer bevorzugt den direkten, informellen Umgang in den USA, den starken Fokus auf Zahlen. Er bezeichnet sich als Kosmopoliten. Wirklich deutsch fühle er sich nur noch, wenn er Fußball guckt.

Gut möglich, dass er bei Whirlpool in Rente geht, sein Vertrag ist unbefristet. Er trete "nicht für zwei Jahre" an, sagt er.

Den ersten Test hat er bestanden. Bei der Halb-Ironman-Staffel in St. Joseph fuhr er für das Vorstandsteam die 90 Kilometer mit dem Rad in 2 Stunden und 31 Minuten. Ein Grund mehr, am 1. Oktober gemütlich mit einem Glas Merlot aus seinem toskanischen Weingut bei Montecatini anzustoßen. Zumal der offizielle Dienstbeginn ein Sonntag ist.

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