25.04.2017 
Zwei Wirtschaftsbücher über VW

Wolfsburger Geschichten

Von
Ferdinand Piëch war Vorstands- und Aufsichtsratschef. Er beherrschte den Konzern als Großaktionär.
DPA
Ferdinand Piëch war Vorstands- und Aufsichtsratschef. Er beherrschte den Konzern als Großaktionär.

Zwei Bücher über Volkswagen: Eines hat eine sehr seltsame Vorgeschichte.

Buchtipp

Georg Meck
Auto Macht Geld: Die Geschichte der Familie Porsche Piëch


Rowohlt, 304 Seiten, 22,95 Euro

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Manchmal ist die Entstehungsgeschichte eines Buches genauso spannend wie das Buch selbst. Mark Schneiders "Volkswagen. Eine deutsche Geschichte" sollte eigentlich schon im Herbst 2013 erscheinen. Das Manuskript war lektoriert und sollte in Druck gehen. Titel: "Martin Winterkorn. Die autorisierte Biographie".

Doch dann, die Internationale Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt stand an, verweigerte der damalige Volkswagen-Chef Winterkorn die Autorisierung. Offiziell aus juristischen Bedenken. Offenbar spielte aber auch konzerninterner Ärger eine Rolle. Diskussionen um die Nachfolge von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch waren entbrannt - und Piëch soll auch nicht gepasst haben, wie Winterkorn sich in dem Buch feiern ließ. Zwischen dem CEO und seinem Mentor knirschte es schon damals gewaltig. Was genau den Ausschlag für die Absage gab, weiß Schneider, inzwischen "Bilanz"-Redakteur, bis heute nicht.

Buchtipp

Mark C. Schneider
Volkswagen. Eine deutsche Geschichte


Berlin Verlag, 368 Seiten, 22,00 Euro

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Das mysteriöse Veto macht jedenfalls neugierig auf Schneiders zweiten Anlauf. Diesmal widmet er sich Volkswagen als Ganzem. Er erzählt, wie VW vom nationalsozialistischen "Kraft durch Freude"-Fabrikanten zu Deutschlands größtem Industriekonzern aufstieg; ähnlich systemrelevant wie die Deutsche Bank . Aber viel deutscher. Das Buch ist anders, die zentralen Figuren sind die gleichen geblieben.

Eine davon, Ferdinand Piëch, trägt auch große Teile des Buchs von Georg Meck. Doch der "FAS"-Redakteur kann sich nicht recht entscheiden. Er erzählt zwei Geschichten. Das beginnt schon auf dem Titel: "Auto Macht Geld. Die Geschichte der Familie Porsche Piëch" steht da - und darunter das VW-Logo.

Ferdinand Porsche hat den VW Käfer entwickelt, Anton Piëch das erste Werk geleitet und Ferdinand Piëch den Konzern eine gefühlte Ewigkeit dominiert. Die Geschichte der Familie und die von VW sind also eng verzahnt. Und doch: Porsche ist den meisten im Clan - Ausnahme Piëch! - wichtiger als VW. Lange Passagen etwa über die Rolle der IG Metall wirken, als kompensiere Meck damit mangelnde Nähe zur Familie.

Beide Autoren verweilen lang in der Historie. Schneider indes kommt seinem Thema näher. Mit dem Buch selbst - und der Entstehungsgeschichte.


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