28.12.2017 
Uber: neuer CEO, neue Investoren

Wie die Bad Boys des Silicon Valley den Neustart versuchen

Von und
Getty Images

Kann der neue CEO Dara Khosrowshahi die wildeste Wette des Silicon Valleys retten?

Ende Dezember 2017 zurren neue Investoren unter Führung von Softbank und deren Chef Masayoshi Son ihren Einstieg beim Mobilitäts-Dienstleister Uber fest - zu einem satten Rabatt. Zuvor schon hatte die heißeste Wette des Silicon Valley den CEO ausgetauscht. Wie Dara Khosrowshahi Uber retten will, hat das manager magazin in seiner Dezember-Ausgabe 2017 beschrieben, die Ende November erschien. Wir veröffentlichen die Geschichte hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Travis Kalanick (41) hat Tränen in den Augen. Er spricht noch einmal über "das Projekt, mit dem wir die Regeln verändert und das wir Uber genannt haben", über "ein altes Kapitel", das "heute endet". Und er stellt "einen neuen, inspirierenden Chef" vor: "Er heißt Dara."

Neben Kalanick steht sein Nachfolger: Dara Khosrowshahi (48), schwarzes Sakko, darunter ein schwarzes T-Shirt mit weißem Uber-Logo auf der Brust. Kalanick trägt einen schlichten schwarzen Pulli. Er braucht kein textiles Bekenntnis. Er ist Uber. Besser gesagt: Er war es.

Travis Kalanick ist mit der Idee gestartet, aus einer simplen App eine globale Taxizentrale zu machen. Er hat 2009 Uber gegründet und seine Idee zur Vision eines Amazons für die Mobilität weiterentwickelt. Irgendwann, so sein Traum, sollten Millionen Robotaxis und -drohnen für Uber Menschen, Nahrungsmittel und andere Güter transportieren. Investoren glaubten daran. Mit 69 Milliarden Dollar bewerteten sie Kalanicks Start-up Ende 2016.

In diesem Jahr wird Uber Fahrten im Wert von etwa 35 Milliarden Dollar vermitteln, rund 7 Milliarden Dollar an Provisionen kassieren und trotzdem 2,5 Milliarden Dollar Verlust schreiben.

Uber ist extrem in jeder Hinsicht, positiv wie negativ. Zuletzt drohte das Negative alles zu zerstören. Deshalb soll nun Dara Khosrowshahi, ein ehemaliger Investmentbanker und seit 2005 Chef der Reiseplattform Expedia , das meistgehypte Unternehmen des Silicon Valleys retten. Um den Investoren einen gewinnträchtigen Exit zu sichern, muss Khosrowshahi aus dem "harten Streetfighter Uber" (ein Kalanick-Intimus) einen Good Corporate Citizen machen.

Es geht nicht allein darum, ein paar Kennzahlen zu optimieren. Es reicht nicht, das Geschäftsmodell anzupassen. Aus Böse soll Gut werden. Eigentlich braucht Uber keinen CEO, sondern einen Wunderheiler.

Ist Dara Khosrowshahi dafür der Richtige? Das System Kalanick ist jedenfalls am Ende. "Hinter uns liegen Monate, wie sie noch kein amerikanisches Unternehmen erlebt hat", sagt einer seiner Vertrauten.

Alles beginnt an einem Sonntagnachmittag im Februar. Um 14.38 Uhr (Ortszeit) taucht im Internet ein Bericht über ein "sehr, sehr merkwürdiges Jahr" bei Uber auf. Susan Fowler hat ihn verfasst. Lapidar erklärt die ehemalige Uber-Entwicklerin, sie habe über das Wochenende mal aufgeschrieben, wieso sie Uber verlassen habe. Und dann schildert Fowler sexuelle Belästigungen durch Vorgesetzte, ermöglicht durch ein testosterongesteuertes System, in dem die Personalabteilung das Verhalten der Uber-Machos toleriert.

Nicht mal vier Tage später beschuldigt der Techkonzern Alphabet (früher Google ) Uber in einer Milliardenklage, Technologie für selbstfahrende Autos gestohlen zu haben. Und im Internet taucht ein Video auf, in dem Kalanick, auf dem Rücksitz eingezwängt zwischen zwei Frauen, einen unzufriedenen Uber-Fahrer beschimpft.

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