13.08.2018  Achten Sie auf: Stefan Krause, Ulrich Kranz und Karl-Thomas Neumann

Männer unter Strom

Von
Ole Schleef für manager magazin; Fotovorlage Peter Virth

Stefan Krause, Ulrich Kranz und Karl-Thomas Neumann: Die drei deutschen Autoveteranen treten gegen ihre alten Kumpel an.

Die folgende Geschichte stammt aus der Juni-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Mai erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Als Karl-Thomas Neumann (57) zum ersten Mal von Evelozcity hört, ist er gelangweilt. Stefan Krause (55) baue in Los Angeles ein Start-up für Elektroautos auf und suche noch Partner, erzählt ein Freund. Öde, denkt Neumann. Sicher der nächste Versuch, einen elektrischen Supersportwagen oder ein teures SUV auf die Straße zu bringen.

Neumann war bis zu seinem Rücktritt vor einem Jahr Opel-Chef. Er hat den Zulieferer Continental und das China-Geschäft von Volkswagen geführt; im Sommer 2017 hätte er fast die Audi-Spitze übernommen. Neumann ist eine große Nummer in der Branche. Mit Krause telefoniert er trotzdem mal. Der Mann war schließlich Finanz- und Vertriebsvorstand bei BMW, führte dann von 2008 bis Ende 2015 das Finanzressort der Deutschen Bank.

Die beiden Deutschen kennen sich oberflächlich, haben sich ein paarmal die Hände geschüttelt. Nach dem Telefonat ist Neumann interessiert. Aber er will erst einmal über den Atlantik segeln. Für Anfang Februar plant er einen Trip ins Silicon Valley, will dort diverse Techgrößen treffen. Mit Krause, der inzwischen in Los Angeles wohnt, vereinbart er ein Abendessen.

Dem Dinner folgt ein langer Tag in den Evelozcity-Büros, Neumann lernt Krauses Partner Ulrich Kranz (59) kennen, Vater von BMWs frühem Elektromodell i3.

Krause und Kranz wollen eine andere Art von Elektroauto: maximale Ausnutzung des Innenraums statt maximaler Reichweite. Zielpreis 35.000 Dollar, Zielgebiet große Metropolen, Zielverkaufszahl 300.000 Autos pro Jahr. Neumann ist leicht elektrisiert.

Krause hat Investoren gewonnen, die eine Milliarde Dollar für die Entwicklungsphase bereitstellen wollen. 2021 soll das erste Modell im Handel sein. Neumann steigt ein.

Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. 2021 rollen auch die großen Konzerne ihre Elektroprogramme aus; und die investieren nicht eine Milliarde, sondern Dutzende. Für das Jahr, in dem Evelozcity startet, stehen bei Volkswagen 1,1 Millionen verkaufte Elektroautos in den Prognosen. Auch Mercedes, GM, BMW und E-Pionier Tesla wollen durchstarten.

Wo ist da die Chance für einen Neuling, der zwar "die Planung für Karosserie und Antrieb zu 90 Prozent und für den Innenraum zu 70 Prozent abgeschlossen" hat (Krause), dessen Marke aber zunächst niemand kennt?

"Sie müssen den Tempovorteil des Start-ups nutzen", sagt Christian Malorny, Autochef der Beratung A.T. Kearney. Dann könnten sie es schaffen gegen die Großen. Es werde nicht einfach, räumt Neumann ein. Aber das gelte erst recht für die Konkurrenz: "Deren Modelle sollen möglichst alles können, was auch Verbrenner können. Die sehen aus wie Verbrenner und sollen in den gleichen Werken gebaut werden wie Verbrenner. Diese Autos nutzen die neuen Möglichkeiten nicht aus."

Die Rolle des Radikalos im Team hat Kranz übernommen. Bei BMW hatte er sich Ende 2016 verabschiedet, nachdem die Münchener zwischenzeitlich der Mut verlassen hatte, in Elektro zu investieren. "Wir hatten ein neues Kapitel aufgestoßen", sagt Kranz. "Jetzt will ich das nächste gestalten."

Er will keine Kompromisse mehr machen. Die Autos benötigen keinen Verbrennungsmotor mehr? Also lässt Kranz den Fahrer fast einen halben Meter weiter vorn als üblich sitzen. Dahinter ist plötzlich viel mehr Platz, zumal es auch keinen abgetrennten Kofferraum mehr gibt.

Andere könnten das auch. Sie machen es allerdings bislang nicht.

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