12.02.2018  Große Visionen, turmhohe Schulden

Digitaler Samurai - wie Masayoshi Son Softbank aufbläst

Von
Yasuyuki Takagi für manager magazin

4. Teil: Mikromanager Son

Mit Stewart Butterfield (44), dem Gründer der Bürokommunikationssoftware Slack, dagegen kam es zu einem leichten Deal. Nach nur zwei Treffen erhielt Butterfield 250 Millionen Dollar aus dem Vision Fund und von anderen Investoren. Er hofft nun, zusätzlich von Sons Kontakten zu profitieren. Der Fonds sei flexibler als konventionelle Wagniskapitalgeber, lobt der Slack-Gründer. Die müssten schnell Gewinne liefern - nicht erst nach Jahrzehnten.

Butterfield und Son trafen sich in Woodside, Kalifornien. Der Japaner besitzt dort ein Haus, das er 2012 für 117,5 Millionen Dollar erstand - seinerzeit der höchste Preis, der je in den USA für ein Privatdomizil gezahlt wurde.

Sein Imperium regiert Golf-Fan Son mittlerweile wie ein weiser Patriarch von seinen Anwesen aus. Nachdem der Übergang auf Ziehsohn und Ex-Google-Star Nikesh Arora (49) 2016 scheiterte, will er SoftBank noch eine Weile selbst führen.

Für japanische Verhältnisse ist Son ein unkonventioneller Chef, er fragt seine Leute nach ihrer Meinung und trägt Hemden der Discountmarke Uniqlo. In seiner konservativen Heimat gilt er als erfolgreicher Regelbrecher. Selbst im Baseball hat er sich einen Namen gemacht und die "SoftBank Hawks" gegen das Establishment zur Meisterschaft geführt.

Ins Tagesgeschäft mischt sich der Boss nur bei Herzensprojekten wie SoftBank Robotics ein. Pepper, das bekannteste Produkt der 600 Mitarbeiter starken Tochter, empfängt die Kunden in jeder SoftBank-Filiale, man kann ihm Fragen stellen oder ihn tanzen lassen. Seit dem jüngsten Update kann der weiße Roboter - 20.000 Euro für drei Jahre Mindestmietzeit - auch Gesichter erkennen.

In Japan hat SoftBank Pepper bereits an gut 2000 Unternehmen verleast. In Europa läuft es noch zäh.

Nächste Generation: Ein Pflegeroboter namens Romeo

Das Aussehen und die Stimme des Roboters hat Son selbst ausgewählt. Masa "mikromanagt" uns noch, sagt Sparten-Co-Chef Kenichi Yoshida. Jede halbwegs wichtige Entscheidung muss er sich absegnen lassen. Son glaubt, dass Menschen und Roboter Freunde sein könnten.

Die nächste Generation, ein Pflegeroboter mit dem Codenamen Romeo, soll deutlich nützlicher sein, verspricht Forschungschef Rodolphe Gelin. Gelin, der in Paris sitzt, hat bereits für die französische Vorgängerfirma Aldebaran gearbeitet, nun fliegt er monatlich nach Tokio, um Son Bericht zu erstatten.

Von der Google-Mutter Alphabet kaufte Son im Sommer Boston Dynamics. Die Kreaturen der Amerikaner springen wie ein Gepard oder steigen Treppen wie ein Mensch. Sprechen können sie noch nicht. Gepaart mit Peppers Social Skills könnte indes bald ein humanoider Superroboter entstehen. Erste Treffen von Managern beider Firmen gab es bereits, verrät Gelin.

Wichtiger als Pepper ist für Son nur der Samurai Sakamoto Ryoma. Eine lebensgroße Abbildung des Nationalhelden empfängt die Gäste in der elften Etage des SoftBank-Hochhauses in Tokio. Ryoma legte mit seiner Revolution im 19. Jahrhundert das Fundament des modernen Japan. Son verehrt ihn seit seinem 15. Lebensjahr, sammelt seine Briefe und zieht sogar ähnliche Gewänder an.

Ryoma schuf den ersten Konzern Japans: Kaientai, eine Reederei. Vor wichtigen Entscheidungen, erzählen enge Mitarbeiter, frage sich Son stets, was der Samurai an seiner Stelle tun würde.

Dabei ist er längst ambitionierter als sein Vorbild. Im aktuellen Geschäftsbericht schreibt der CEO, dass er nicht allein Japan, sondern die ganze Welt "durchschütteln" und "den Status quo zerschlagen" möchte.

Koste es, was es wolle.

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