12.02.2018  Große Visionen, turmhohe Schulden

Digitaler Samurai - wie Masayoshi Son Softbank aufbläst

Von
Yasuyuki Takagi für manager magazin

2. Teil: Von Anfang an CEO

Masayoshi Son ist 16 Jahre alt, als er aus Tosu im Süden Japans nach San Francisco zieht. Er will Unternehmer werden und weg aus dem Land, in dem er als Nachfahre koreanischer Einwanderer kaum Chancen für sich sieht. Sein Vater brennt Schnaps und züchtet Schweine, die Familie hat nicht viel Geld. Die japanischen Kinder im Ort bewerfen den kleinen Masa mit Steinen, er denkt zeitweise daran, sich umzubringen.

Aus Demütigung wird Trotz. "Mich haben diese Erlebnisse stärker gemacht", bekannte Son einmal. Masa wird der Erste seiner Familie sein, der sich öffentlich Son nennt. Seine Sippe hatte sich jahrzehntelang hinter dem japanischen Tarnnamen Yasumoto versteckt.

Nach der Highschool studiert Son Wirtschaft in Berkeley. Computer haben es ihm angetan. Seine erste Firma importiert Space-Invaders-Spielkonsolen aus Japan. "Masa hat sein ganzes Leben als CEO gearbeitet", sagt Finanzchef Kazuhiko Fujihara (58), der ihn seit über 16 Jahren kennt. Er wollte niemandem dienen.

Nach dem Abschluss kehrt der Japaner zurück in die Heimat und kämpft sich nach oben. Das Startkapital für SoftBank stammt vom Elektronikkonzern Sharp, der ihm eine Erfindung abkauft: ein digitales Taschenwörterbuch.

Ende der 90er transformiert Son SoftBank, das anfangs vor allem mit Software handelte und Elektronikmagazine herausgab, in einen Internetkonzern. Er imitiert die Geschäftsmodelle von US-Vorbildern wie Ebay und Yahoo oder holt sie als Joint-Venture-Partner nach Japan.

Mit seinem Copy-and-Paste-Modell ist Son erfolgreicher als manche Vorbilder: Seine Version von Yahoo etwa, über die man anders als beim kränkelnden Original auch Autos kaufen oder Wohnungen mieten kann, ist heute die beliebteste Website Japans - und hat noch nie einen Yen Verlust gemacht.

Als die New-Economy-Blase 2001 platzt, fällt aber auch Sons Reich in sich zusammen. Vorerst. Denn ein Deal aus dieser Zeit macht ihn später zur Legende. 2000 trifft er in China den Ex-Lehrer Jack Ma (53) und vertraut ihm 20 Millionen Dollar für das Start-up Alibaba an. Heute ist der 29-Prozent-Anteil, den SoftBank schon teilweise versilbert hat, 126 Milliarden Dollar wert. Ma und Son sind Freunde geworden und wirken im Aufsichtsrat der Unternehmen des jeweils anderen.

Masayoshi Son wusste schon mit 20 genau, was er mit 60 tun wollte. Für seine Firma hat er einen 300-Jahres-Plan aufgestellt.

Finanzchef Kazuhiko Fujihara muss lachen, wenn er von seinem Boss erzählt. Der ehemalige Mazda-Manager, ein fröhlicher Mann mit grüner Elefantenkrawatte, sitzt in einem Konferenzraum in der SoftBank-Zentrale in Tokio.

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