18.06.2018  United-Internet-Gründer im Interview

"Ich habe mich fix mal umprogrammiert"

Von und

Der United-Internet-Gründer und Multimilliardär erzählt, zu wem er aufschaut, was ihn antreibt und wie er Verhasstes lieb gewonnen hat.

Die folgende Geschichte stammt aus der Mai-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

manager magazin: Herr Dommermuth, 1998 sind Sie mit 1&1 an den Neuen Markt gegangen. Warum sind ausgerechnet Sie heute ein reicher Mann und Chef eines gut laufenden Unternehmens und fast alle anderen weg?

Ralph Dommermuth: Wir waren nicht nur eine Idee, sondern schon eine richtige Firma, als wir an die Börse gingen, mit rund 700 Mitarbeitern und echtem Geschäft.

Sie haben dann aber mehr als ein Dutzend Internetbuden gekauft ...

... und als im Jahr 2000 die Musik aufhörte zu spielen, hatten wir ein breites Portfolio und einen guten Marktüberblick.

Finanziell eng wurde es trotzdem.

Wir haben deshalb rasch entschieden, uns zu konzentrieren: auf Internetzugänge, Hosting und E-Mails. Diese Angebote haben wir systematisch ausgebaut. Von allem anderen haben wir uns getrennt. Erst 2014 kam mit der Übernahme von Versatel ein neuer Geschäftsbereich hinzu: Internetanschlüsse für Firmenkunden. Dank 1&1 Versatel verfügen wir über das zweitgrößte Glasfasernetz in Deutschland.

United Internet ist an der Börse fast elf Milliarden Euro wert, 40 Prozent der Aktien gehören Ihnen. Sie sind in der Generation zwischen den SAP-Gründern und den Samwer-Brüdern der erfolgreichste Digitalunternehmer hierzulande. Plan oder Zufall?

Mir war nur klar, dass ich Unternehmer werden wollte. Es hätte statt Hosting und Internetzugängen auch etwas anderes sein können, das ich vermarkte.

Weil Sie vom Vertrieb kamen?

Nach einer Ausbildung bei der Deutschen Bank war ich mit Anfang 20 freier Mitarbeiter bei einem PC-Händler. Ein Kunde, Wendelin Abresch, besaß eine Werbeagentur und fragte mich: Warum gründen Sie nicht eine eigene Firma? Ich antwortete, lassen Sie uns das doch zusammen machen. Aber er mochte nicht.

Dann wollten Sie etwas mit Immobilien anfangen, wie Ihr Vater.

Ja, aber ich traf dann zufällig Herrn Abresch wieder und erzählte ihm davon. Er entgegnete: Warum machen Sie nicht etwas mit EDV und Marketing? Da kennen Sie sich doch aus. Und ich investiere bei Ihnen die Summe, die ich heute mit dem Auftrag eines Großkunden verdient habe. Gesagt, getan. Er gab mir als Büro zwei Zimmer unterm Dach seiner Agenturvilla.

Wozu zwei?

Darüber habe ich mich auch gewundert. Er meinte, falls ich mal eine Sekretärin brauche. So ging das damals los. Das lässt sich nicht als große Strategie verkaufen.

Trotzdem wurde aus Ihnen mehr als ein Wald-und-Wiesen-Mittelständler.

Ich habe diese Geschäftsidee dann schon mit Ehrgeiz verfolgt. Und natürlich hatten wir auch das berühmte Quäntchen Glück.

Sie sind bei den Mitarbeitern berüchtigt für Ihre Liebe zum Detail, lassen sich noch immer fast jede Werbekampagne Ihrer zahlreichen Marken vorlegen. Warum?

Ich versuche, Themen zu durchdringen, um ein eigenes Gefühl zu entwickeln. Das kostet viel Zeit und hat den Nachteil, dass ich dafür tagein, tagaus recht lange in diesem Büro sitzen muss. Immerhin ist der Ausblick auf den Westerwald da draußen ja ganz schön.

Was treibt Sie an?

Mein langjähriger Finanzvorstand und heutiger Aufsichtsrat, Michael Scheeren, hat früher gern zu mir gesagt: "Ich weiß nicht, was Sie treibt." Und ich muss gestehen: Ich weiß es auch nicht.

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