19.09.2018 
Omega-Chef im Interview

"Wir bedienen acht Social-Media-Kanäle"

Von Michelle Mussler
Omega

Omega-Chef Raynald Aeschlimann über den Zwang zu mehr Tempo, den Vintage-Hype - und seinen nächsten Coup.

Herr Aeschlimann, Sie haben 2017 die limitierte Retroserie "Speedy Tuesday" für 5400 Euro über Instagram angeboten und binnen vier Stunden ausverkauft. Übernehmen in der Uhrenindustrie jetzt die Guerilla-Marketer?

Wir hatten mehr als 10.000 ernsthafte Interessenten für 2012 Exemplare, das hat mich schon verblüfft. Manche haben monatlich geschrieben oder angerufen, um noch an eine Uhr zu kommen. Diese Leidenschaft fand ich überwältigend.

Raynald Aeschlimann
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    Raynald Aeschlimann trimmt die Luxusuhrenmarke Omega auf Internet. Schon sein Großvater war Uhrmacher; er selbst hat Wirtschaft in St. Gallen studiert.

Mancher schlägt daraus nun Profit und verkauft seine Uhr direkt wieder im Netz, für 7000 bis 8000 Euro. Ärgert Sie das nicht?

Nein, das zeigt doch, dass wir einiges richtig gemacht haben. Und Leute, die auf schnellen Profit aus sind, gibt es immer. Wir hätten viel mehr Exemplare fertigen können, aber man sollte es nicht übertreiben.

Ihre Wettbewerber bieten nun ebenfalls Sondereditionen über Blogs und Uhrenportale an. Muss man künftig 24 Stunden online sein, um noch an besondere Uhren zu kommen?

Dann könnten Sie Ihre Uhren ja nicht mehr genießen. Aber "Speedy Tuesday" war ein echter Coup, als Pionier müssen wir jetzt eben damit leben, imitiert zu werden.

Wann legen Sie selbst nach?

In den kommenden zwölf Monaten werden wir höchstwahrscheinlich eine zweite "Speedy Tuesday" bringen. Sofern die Lieferung der Exemplare sichergestellt ist. Das haben wir beim ersten Mal unterschätzt.

Sie sind auch beim E-Commerce ziemlich progressiv. Aber warum betreiben Sie Ihren Onlineshop nur in den USA?

Amerika ist ein sehr E-Commerce-affiner Markt, das liegt schon an der Geografie. Manche Kunden leben bis zu 600 Meilen vom nächsten Laden entfernt. Das ist in Europa anders, zudem haben wir hier ein sehr loyales Verhältnis zu unseren Vertriebspartnern. Das Internet ist für mich ein zusätzlicher Kanal, keiner, der das Etablierte killen soll. Wir bedienen aber acht Social-Media-Kanäle.

Traditionsmarken behaupten oft, Luxusuhren seien ein zu emotionales Produkt fürs Internet.

Das sehe ich anders. Kürzlich wurde in New York nach 22 Uhr in unserem Onlineshop ein 25.000 US-Dollar teures Modell geordert.

Wie häufig hat man schon versucht, Sie zu hacken? Bei "Speedy Tuesday" bietet sich das ja an.

Wir haben alles sehr gut vorbereitet, sodass Hacker keine Chance hatten. Wir sind mit Omega offizieller Zeitnehmer der Olympischen Spiele und haben ziemlich viel Erfahrung darin, solche Angriffe abzuwehren. Allein 2016 in Rio gab es davon täglich etwa zwölf Millionen.

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