20.07.2017 
Merton-Kreis statt Similauner

Die Netzwerke der mächtigen Frauen

Von
DPA, imago, BCG, picture alliance, DPA

Mächtige Frauen knüpfen eigene Verbindungen unter ihresgleichen. Und entfalten ihre Wirkung.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 5/2017 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Ach ja, die Similauner. Auch die gibt's noch. Jenes mythische Netzwerk wichtiger Männer der deutschen Wirtschaft, die miteinander Berge raufkraxeln (am Similaun in den Ötztaler Alpen hat sich die Runde vor 24 Jahren konstituiert), richtig steil am liebsten, man hat ja auch als Sportsmann einen Ruf zu verlieren. Granden wie Herbert Henzler (ehemals McKinsey), Wolfgang Reitzle (wieder bei Linde ) oder Kasper Rorsted (neuerdings Adidas ) pflegen einen festen Bund der Macht, ihre Geschichte ist oft erzählt.

Jetzt gibt's auch Similaunerinnen. Sie nennen sich nur anders, nach dem Ort ihrer Gründung, der Frankfurter Villa Merton. Man spricht vom Merton-Kreis.

Ansonsten ist das Netzwerk durchaus vergleichbar. Mächtige Wirtschaftsfrauen, die sich kennen und mögen, greifen einander unter die Arme, wenn es nottut.

Klingt unspektakulär, ist aber durchaus bemerkenswert. Denn Managerinnen, heißt es ja oft, hätten es nicht so mit Bünden, sie fühlten sich dort nicht wohl. Das Bedeutungsgehubere "Mein Hahnenkamm-Rekord, mein Weingut, meine Aufsichtsratsposten" stoße Frauen eher ab.

Die Mitglieder des Merton-Kreises haben sich daher ein eigenes Netz gestrickt, nach ihrem Gusto und entlang der Grundsätze, die auf exklusive Verbindungen nun mal anzuwenden sind: Man begegnet sich auf Augenhöhe, nach sorgfältiger Selektion, ohne Öffentlichkeit. Statt sich am Berge zu quälen, geht frau lieber schön essen.

Im französisch-hessischen Kochtempel "Villa Merton" entstand die Idee vor rund zwei Jahren bei einem Dinner, treibende Kraft war Antonella Mei-Pochtler, langjährige Partnerin bei der Boston Consulting Group. An ihrer Seite: Tina Müller, Marketingvorstand von Opel, und Kati Najipoor-Schütte, globale Autoexpertin des Headhunters Egon Zehnder. Die drei haben sich schon von Berufs wegen einiges zu erzählen. So entstand der Gedanke, die eigenen Erfahrungen auch für andere nutzbar zu machen, der Kreis erweiterte sich nach Family-&-Friends-Prinzip: Wer passt, darf rein.

Merton ist nicht das einzige Netzwerk mächtiger Wirtschaftsfrauen. Auch um Telekom-Vorstand Claudia Nemat hat sich ein Zirkel gebildet, dem Gruner+ Jahr-Chefin Julia Jäkel sowie Katrin Suder angehören, Staatssekretärin und rechte Hand von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Simone Menne, CFO von Boehringer Ingelheim, ist in beiden Runden gern gesehen.

In Berlin haben sich die Topmanagerinnen der landeseigenen Großbetriebe zu einer Clique verschworen. Sigrid Nikutta (CEO der Berliner Verkehrsbetriebe) und Gasag-Vorstandsfrau Vera Gäde-Butzlaff tauschen sich regelmäßig aus, mit von der Partie sind auch Stadtreinigungschefin Tanja Wielgoß und Andrea Grebe, Geschäftsführerin des Klinikverbunds Vivantes.

Die Mitglieder dieser Frauenbünde genießen einen neuen Stil des Umgangs mit der Macht. Sie freuen sich, wenn es für die anderen gut läuft. Und sie schütten einander auch mal ihr Herz aus.

Goodbye Zickenkrieg! Der Alltag in den Topetagen ist ja auch so schon ruppig genug.

Die Merton-Frauen sind jederzeit für einander erreichbar, sie coachen sich und sagen sich die Wahrheit, ungeschminkt. Alle sechs Wochen treffen sie sich, die anfangs im Rhein-Main-Gebiet konzentrierte Kerngruppe ist mittlerweile auf rund 25 Köpfe angewachsen. Zu den Zusammenkünften schafft es jeweils rund die Hälfte.

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