09.08.2018 
Achten Sie auf: Max Conze, neuer Chef von ProSiebenSat.1

"Plötzlich war ich für 20 Leute verantwortlich, das war so beängstigend wie die Hölle"

Von
Max Conze
Alex Griffiths
Max Conze

2. Teil: "Nach einer Weile ging mir aber ein Licht auf"

Aber Conze wollte davon nichts wissen, mit 21 ging er für zwei Jahre zur Bundeswehr, zu den Fallschirmjägern, zunächst in Iserlohn und anschließend in die Franz-Josef-Strauß-Kaserne im oberbayerischen Altenstadt. "Plötzlich war ich für 20 Leute verantwortlich, das war so beängstigend wie die Hölle", sagte er einmal der "Financial Times". "Nach einer Weile ging mir aber ein Licht auf: Engagier eine Reihe cleverer junger Leute, gib ihnen viel Verantwortung, und sie wachsen da rein."

Es war eine passende Lektion für seine anschließende Konzernkarriere bei Procter & Gamble, wo er in 17 Jahren zügig aufstieg, mal an amerikanischen, mal an asiatischen Einsatzorten war und zwischendurch auch mal ein paar Jahre in Frankfurt.

Bis Sir James Dyson auf den Dynamiker aufmerksam wurde. Der exzentrische Engländer hat den Staubsauger erfunden, der ohne Beutel funktioniert, und sich daher als populäres Wunderwerk der Technik vermarkten ließ. Das Design machte den Dyson zum Fetisch für eine gehobene Konsumentenschicht - und brachte dem Erfinder den Ritterschlag der Königin.

Conze wurde zunächst Chef in den USA und schon bald darauf, Ende 2011 mit 42 Jahren, der Vorstandsvorsitzende in der englischen Zentrale in Malmesbury.

Warum er bei Dyson gehen musste? Die Antwort findet man im "König der Löwen", platzt es aus ihm heraus.

Warum endete die Sache nach sechseinhalb Jahren in erbittertem Streit? Conzes Stirn legt sich in Falten, der Blick aus tiefbraunen Augen wird noch dunkler, die sonst heftig gestikulierenden Hände verhaken sich ineinander. Man sieht ihm die inneren Qualen an, die ihm dieser Teil seiner Geschichte bereitet, während er tapfer behauptet, einmal im Leben müsse man gefeuert werden, das gehöre einfach dazu.

Dann platzt es doch aus ihm heraus. Um zu verstehen, wie so etwas passieren könne, solle man einfach "König der Löwen" lesen oder Shakespeares "Heinrich VIII.". Ranküne aller Art, der König als Despot, der Herrscher, der plötzlich seinen Topmann nicht mehr mag, weil er Angst hat, das Rampenlicht teilen zu müssen. Dramatisches dieser Art bietet auch der deutsche Mittelstand zur Genüge.

An den Zahlen scheiterte die Beziehung jedenfalls nicht. Conze hat in nur sechs Jahren den Umsatz vervier-, die Zahl der Mitarbeiter fast verdreifacht, auch die Gewinne schossen nach oben. Er hat die Märkte in Asien erschlossen, neue E-Commerce-Plattformen entwickelt.

"Er war hart, aber fair", sagt ein früherer Kollege aus England. "Der beste CEO, den ich je erlebt habe", behauptet ein anderer namhafter Topmanager. Ein weiterer meint: "International wie seine Persönlichkeit geprägt ist, hat Max die Bedeutung von Diversity verinnerlicht, er lebt sie ganz selbstverständlich."

So offen diese Führungskräfte über Max Conze sprechen, so strikt wollen sie ihre Anonymität wahren. Denn bei Dyson darf sein Name gar nicht mehr erwähnt werden.

Conze kann also offenbar gut führen, er kann Pflegeprodukte und Staubsauger verkaufen, aber was will er auf der großen TV-Bühne?

Am Anfang, sagt er, habe ihn die Vorstellung selbst geschockt, aber das hielt nicht lange an. Hingen nicht seine beiden Töchter als Teenager am Bildschirm, um "Germany's next Topmodel" nicht zu verpassen, egal ob die Familie gerade in Cincinnati oder Guangzho lebte? Und war nicht, neben Haribo und Schokolade, das Fernsehen immer der kulturelle Ankerpunkt zur Heimat?

Neulich war Max Conze in Berlin. Er wollte einmal die ganz normalen Leute kennenlernen, die Frühstücksfernsehen schauen. Sat.1 hält mit diesem Genre einen Marktanteil von 17 Prozent, während der Sender aufs Ganze gesehen nur 8 Prozent erreicht. Schon stachelte Conze die Diskussion an, ob man den Erfolg nicht ausweiten könnte.

Max Conze, dieser immer noch junge Mann, ein Skifahrer, der sein Revier gern abseits der Piste sucht, dieser Max Conze hat auf der Hauptversammlung Mitte Mai natürlich die Strategie seines Vorgängers bestätigt. Er wird - logisch - weiter Fernsehen machen und in Internetfirmen investieren.

Zum Antritt anderes zu behaupten wäre ohnehin selbstmörderisch. Aber der neue Chef wird seinen eigenen Weg gehen. Der Mann ist keine Kopie, von niemandem.

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