23.03.2018 
Leibniz-Preisträger Jens Beckert über Kunst, Wein und sozialen Status

"Trump könnte sich einen Geldkoffer an die Wand nageln"

Von
"Balloon Dog" des Künstlers Jeff Koons
DPA
"Balloon Dog" des Künstlers Jeff Koons

Das folgende Porträt stammt aus der April-Ausgabe 2018 des manager magazins.

Seit Jahren erforscht der Soziologe Jens Beckert, warum Menschen viel Geld bezahlen für Dinge, von denen sie wenig verstehen. So will der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln ergründen, wie der Kapitalismus wirklich funktioniert. Ein Gespräch über soziales Prestige - und Träume.

Jens Beckert
  • Copyright: Juergen Bauer
    Juergen Bauer
    DENKER
    Der Frankfurter studierte in Berlin und New York BWL und Soziologie.
LENKER
Seit 2005 leitet er das MPI für Gesellschaftsforschung in Köln, das er zu einem der führenden Institute für kritische Kapitalismusforschung geformt hat.

manager magazin: Herr Beckert, Sie haben gerade den Leibniz-Preis erhalten, so etwas wie den deutschen Nobelpreis. Was bedeutet das für Ihren Status?

Jens Beckert: Die Wissenschaft ist ja eine Branche, in der Status sehr wichtig ist. Wo man studiert, welche Titel man hält, wie viel Geld man einwirbt - davon hängt das Ansehen eines Forschers entscheidend ab. Also auch meins.

mm: Geld haben Sie jetzt genug. Das Leibniz-Preisgeld beträgt 2,5 Millionen Euro.

Beckert: Das sind ja Forschungsmittel. Aber toll ist, dass ich völlig frei darin bin, für was ich sie verwende. Darüber grübele ich derzeit noch.

mm: Vermögende hauen solche Summen für ein Bild oder ein paar Kisten Wein auf den Kopf.

Beckert: Diese Märkte sind interessant, weil die Preise sehr hoch und für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind. Ob Wein oder Kunst: Für beide gilt, dass Werte nicht in den objektiven Eigenschaften stecken, sondern soziale Konstruktionen sind.

mm: Eine Plastik von Jeff Koons oder ein Château d'Yquem sind also eigentlich nur ein paar Euro wert?

Beckert: Nein, aber dass sie so teuer sind, hängt mit Institutionen in den jeweiligen Märkten zusammen. Wenn etwa Museen oder Weinkritiker eine hohe Qualität bescheinigen, können sie teuer werden und zu Investitionsobjekten. Aber nicht nur das.

mm: Was denn noch?

Beckert: Der Käufer will sich kulturelles Kapital aneignen, um seinen Status zu erhöhen. Mit einem Bild oder einem Weinkeller können Sie zeigen, was Sie erreicht haben. Zugleich bringen Sie Persönlichkeit und kulturelle Bildung zum Ausdruck. Gästen einfach die Millionen auf dem Kontoauszug zu präsentieren, dafür ist die soziale Barriere zu hoch.

mm: Verständnis für Kunst oder Wein braucht es also gar nicht?

Beckert: Doch, ganz ohne die geht es nicht, sonst sind Sie unglaubwürdig.

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