04.06.2017  Alexa, Cortana, Google Assistant - der Kampf um die Zukunft

Wie Amazon und Google bei Künstlicher Intelligenz angreifen

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AP/dpa

Mit ihren sprechenden Helfern Alexa, Cortana oder Google Assistant bauen die Tech-Giganten an einem neuen Webzugang. Der könnte das Machtgefüge im Silicon Valley noch einmal kräftig durcheinanderwirbeln.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 2/2017 des manager magazins, die Ende Januar erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Hallöchen!" Alexa muss lachen, verhaspelt sich, sagt Sätze wie: "Jamiroquai ist eine international erfolgreiche britische Acid-Jazz-Band." Besonders kicheranfällig ist Alexa bei eigenwilligen Namen wie Bernhard Grzimek ("Tschimeck"), dem langjährigen Direktor des Frankfurter Zoos. Zur Beruhigung zieht die Frauenstimme im Anschluss erst mal Vokale ganz lang: "Uuuuooooh".

Toningenieurin Magdalena Kaminska sitzt in einem abgeschirmten Studio in Danzig und klickt sich durch die gesammelten Aufnahmen. Ihr Arbeitgeber, der polnische Sprachspezialist Ivona, wurde 2013 von Amazon übernommen. Erst hieß es, der Onlinehandelsriese wolle seinen digitalen Büchern mit der Technologie das Vorlesen beibringen. Tatsächlich steckte mehr dahinter: die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) Alexa.

Vergangenes Jahr saß Kaminska wochenlang einer Deutschen gegenüber, die einem Amazon-Computer Sätze diktierte. Tausende. Die Software kann daraus nun jedes Wort formen, das sie möchte, sie hat die Stimme absorbiert. Alexa soll kompetent klingen, heißt es bei Amazon. Sie ist nach der legendären Bibliothek von Alexandria benannt.

Die Profisprecherin hinter Alexa soll anonym bleiben. Sie hat ihre Stimme exklusiv an Amazon verkauft. Die Deutsche wurde ausgewählt, weil sie Befragungen zufolge glaubwürdiger, sympathischer und intelligenter klang als andere Bewerberinnen. Amazon wollte, dass Alexa einer wohlwollenden Schwester gleicht, manche Mitarbeiter finden sie sogar "echt sexy".

Wer Alexa haben will, muss hierzulande Echo kaufen, eine Kombination aus Mikrofonen und einem Lautsprecher in Form eines schwarzen Zylinders. In Deutschland kann das Gerät bereits seit November für 180 Euro bestellt werden, es existiert eine Warteliste. Über Echo oder seinen kleinen Bruder Echo Dot können die Kunden mit Alexa kommunizieren. In den USA hat Amazon schon mehr als fünf Millionen Stück abgesetzt, nach dem Kauf stieg der Onlineumsatz der Besitzer um rund 10 Prozent.

Für Amazon ist Echo nicht bloß ein Gimmick, der hilft, noch mehr Bücher oder Glühbirnen zu vertreiben. Die intelligente Stimme soll für den Handelsriesen aus Seattle zu einer neuen Plattform werden, einer Art Hostess, die den Kunden durchs Internet führt und ihm jeden Wunsch erfüllt. Diese Rolle kam bisher den Smartphones zu.

Apps? Das war einmal. Nun übernimmt Alexa. Zeig uns deine "Skills", Baby!

Amazon-Gründer Jeff Bezos erhob die Technologie bereits zur "vierten Säule" des Konzerns, neben dem Handel, dem Kundenbindungsprogramm Prime und der CloudSparte Amazon Web Services (AWS). Für Deutschland-Chef Ralf Kleber geht mit Alexa "die Tür zur Zukunft auf".

Das Marketinggepolter dürfte der Realität ausnahmsweise mal relativ nahekommen. Denn smarte Assistenten wie Alexa bedeuten eine Zäsur: Statt per Hand würden Computer, Telefone, Autos oder Hausgeräte via Stimme gesteuert. Viele Bildschirme verschwänden.

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