14.12.2016 
Whiskys aus Japan

Das neue Gold

Von Viola Keeve
Viola Keeve

Japans Destillerien haben den etablierten Brennern den Whiskykrieg erklärt. Ihre Malts gewinnen die höchsten Preise. Sind die Japaner inzwischen die besseren Schotten?

Sein Urteil fürchten alle: Jedes Jahr kürt der Brite Jim Murray (58), grauer gepflegter Bart, Hut, Tweedsakko, den besten Whisky der Welt. In Willow Cottage, "irgendwo im ländlichen Northamptonshire", bewertet er Jahr für Jahr 4600 Sorten Single Malt, American, Blended Scotch für seine "Whisky Bible". Früher mal, da war Whisky Schmugglerware, Fusel. Heute muss er süffig, edel und rar sein, wird als Kapitalanlage gehandelt, zum Männergetränk schlechthin stilisiert. Und Murray gilt als wichtigste Instanz dieser Zunft.

2015 schockte er sie, als er zum ersten Mal in der Geschichte seiner Bibel einen Japaner auf Platz eins setzte: Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013, 97,5 von 100 Punkten, "dicht, trocken, abgerundet wie eine Billardkugel"; die Flasche kostet heute 3600 Euro. Ein Meisterwerk, schwärmte er. Die Schotten landeten mit ihrem Nationalgetränk nicht mal unter den ersten fünf.

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Und sofort hieß es: Murray sei gekauft. Der konterte mit einem Rundumschlag: Verdient hätten es die Japaner längst, die Aromen seien mutiger, filigraner, raffinierter, nicht so uninspirierte Massenware wie viele schottische Sorten. Das saß. 2016 wieder kein Schotte in der Spitzengruppe. Und auch in dem gerade erschienenen Ranking für 2017 haben es die Schotten nicht nach ganz oben geschafft.

Wer Whisky hört, denkt Schottland, und wer Schottland hört, denkt Whisky - das war gestern. Ja, Schottland ist Marktführer, mit einem Exportvolumen von 5,2 Milliarden Euro (mehr als 800 Millionen Liter). Ja, in Schottland gibt es mehr als 100 Brennereien, in Japan nur acht.

Doch die holen einen ersten Platz nach dem anderen. Zuletzt in London im März bei den "World Whiskies Awards 2016". Suntorys "Hibiki 21 Years old" (Jurylob: "getrocknete Früchte, Orangenschale, Erdbeermarmelade, Backapfelnoten, elegant, süß, komplex") wurde zum besten Blended Whisky gekürt. Rare Flaschen von stillgelegten Brennereien wie Hanyu, Kawasaki, Karuizawa erzielen auf Auktionen in Hongkong Rekordsummen. In den Bars von New York bis London ist Whisky aus Japan derzeit der Star, trotz Preisen von bis zu 800 Euro die Flasche. Exotenstatus sieht anders aus.

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