21.07.2015  Sportmarke Hummel

Zwei Dänen schaffen einen globalen Mischkonzern

Von Simon Hage
Michael Bothager / Scanpix Denmark

Rund um die einst angeschlagene Sportartikelmarke Hummel haben zwei Dänen ein ebenso schräges wie erfolgreiches Konglomerat geformt.

Christian Nicholas Stadil (43) lebt seinen Hang zum genialischen Wahnsinn offen aus. Der dänische Multimillionär nimmt sich große Kämpfer und Denker zum Vorbild - und lässt sich ihre Gesichter auf den Körper tätowieren.

Ein Porträt des Kampfkünstlers Bruce Lee ziert Stadils linken Unterarm. Auf dem rechten Arm prangt der Psychologe und Freud-Gegenspieler C.G. Jung. Anfang Februar kam Allen Ginsberg hinzu. Ein Zitat des amerikanischen Beat-Autors dient Stadil als Lebensmotto: "Follow your inner moonlight, don't hide the madness." Frei übersetzt: Sei irre - und steh dazu.

Schon in der Schule neigte Stadil zu gewissen Verhaltensauffälligkeiten. Er las Henry Miller, während sich seine Klassenkameraden noch mit Micky Maus beschäftigten. Im Alter von neun Jahren startete Stadil eine Karriere als jüngster Boxer Dänemarks und Taekwondo-Kämpfer. Später diente er als Ausbilder beim Militär, war zeitweise Mitglied der Leibgarde Ihrer Majestät.

Man könnte Christian Nicholas Stadil als Freak abtun, wären da nicht seine Erfolge als Unternehmer. Gemeinsam mit seinem Vater Thor (70) rettete er Ende der 90er Jahre die Sportmarke Hummel, 1923 in Hamburg gegründet, vor dem sicheren Ruin. Doch das war erst der Anfang.

Wie aus dem Nichts erschufen die Stadils einen Mischkonzern namens Thornico (ein Akronym aus Thor und Nicholas), der mit Sportmode, Lebensmittelfabriken, Maschinenbauern, Transportschiffen, Immobilien und IT-Start-ups zuletzt einen Umsatz von fast eine Milliarde Euro erwirtschaftete - gut dreimal so viel wie noch 2008. Das dänische Wirtschaftsblatt "Berlingske Business" kürte das Vater-Sohn-Gespann unlängst zu den schnellsten Aufsteigern des Landes.

Es ist ein Familienunternehmen der ganz anderen Art, mit zwei Gründern aus zwei Generationen, die einen globalen Konzern aus einzigartigen Nischenplayern bauen. Treibstoff des Aufstiegs ist eine Mixtur aus Mut, Eigensinn und kreativem Chaos.

Entgegen der Lehrmeinung vieler Harvard-Professoren, Analysten oder McKinsey-Berater fokussierte sich die Familie Stadil nicht auf ein florierendes Kerngeschäft, sondern bastelte ein altmodisches Konglomerat aus mittlerweile 120 operativen Einheiten. Offensichtliche Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftszweigen gibt es nicht - mit einer Ausnahme: In jeder Firmenzentrale findet sich mindestens ein Abbild Buddhas.

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