17.02.2017  Miguel Torres, Spaniens größter Weinexporteur

Kampf bis aufs Stierblut

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Vater Miguel Torres hat es zum größten Weinexporteur Spaniens gebracht. Den Sohn dürstet jetzt nach Weltgeltung. Massen- und Spitzenweine - wie passt das zusammen?

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 3/2017 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Die Geschichte ist fast 30 Jahre her, aber Miguel Torres (75) erzählt sie immer noch gern: Im Oktober 1979 hatte die Gourmetgazette "Gault Millau" zur traditionellen Weinolympiade nach Paris geladen. Als die Jury den Sieger bekannt gab, verschluckte sich die französische Weinelite beinahe an ihren Grands Crus Classés: Gewonnen hatte Torres' "Gran Coronas", ein katalonischer Rotwein, gekeltert aus der französischen Rebsorte Cabernet Sauvignon - ausgerechnet.

Ein Spanier. Das hatte es noch nie gegeben. Die Billigheimer des Weinbaus mochten ja versiert sein in der Massenproduktion, aber in Sachen Qualität, Kunst, Exzellenz lagen sie bis dato meist weit abgeschlagen hinter den französischen Winzern zurück. Und dann kostete dieser "Coronas" mit dem eleganten, dunklen Etikett gerade mal ein Fünftel des zweitplatzierten "Château Latour". Eine "Sensation", schrieb später die französische Zeitung "Le Figaro".

Lesen Sie hier: Miguel Torres im Interview

Für Miguel Torres war es mehr als das: Triumph, Genugtuung, Bestätigung. "Das war groß, richtig groß", sagt er, lächelt zufrieden und trinkt in aller Ruhe einen Schluck "Mas La Plana". So heißen die jüngeren Jahrgänge des "Gran Coronas". Der Erfolg von Paris habe seinen Namen "auf die Weinkarte der Welt gesetzt", sagt Torres stolz. Er bekam plötzlich Anrufe von US-Reportern, das gefiel ihm. Noch ein Schluck.

Der Pionier des spanischen Edelweinbaus sitzt im Familienrestaurant "Mas Rabell", das er zu den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona eröffnet hat. Weiße Korbsessel, blaue Kissen, Fliesen, weiße Balken an der Decke - nicht modern, aber die Touristen lieben es. Es gibt Hahn mit Reis, draußen vor den Fenstern wachsen alte, kaum noch kultivierte katalanische Reben. Torres will sie vor dem Aussterben bewahren.

Weinkönig Miguel. Feine Gesichtszüge, wache Augen, ein bescheidener Mann, aber durchaus ehrgeizig: Der Erfolg, das wird schnell klar, ist sein Erfolg.

Aus der Bodega seiner Familie - gegründet 1870 - hat er einen der größten Weinkonzerne Europas gemacht. Das Unternehmen bewirtschaftet 2432 Hektar Reben in Spanien, Chile und Kalifornien. Selbst in China existiert ein Joint Venture. Torres ist Spaniens größter Weinexporteur, 3,3 Millionen Kisten liefert er jährlich in 150 Länder, setzt mehr als eine Viertelmilliarde Euro um.

Edeka-Kunden kennen die Weine, der "Sangre de Toro" und der "Viña Sol" stehen dort für fünf bis sieben Euro in den Regalen. Doch Torres kann auch exklusiv und hochpreisig. Und als einem der wenigen Großproduzenten nimmt man ihm diesen Anspruch auch ab.

Eigentlich wurde Miguel Torres gegen seinen Willen Winzer. Später reifte er gegen den Willen seines Vaters zum Premiumwinzer. Der Alte hielt nicht viel von den Ambitionen seines Sohnes: "Wieso soll ein spanischer Cabernet in einer Burgunderflasche bitte ein guter Wein sein?"

Geschichte wiederholt sich, auch in der Familie Torres. Der neue Junior (42), der wie sein Vater und Großvater Miguel heißt und seit 2012 das Tagesgeschäft führt, begehrt ebenfalls gegen den Papa auf. Beim Essen im "Mas Rabell" hält er sich vornehm zurück, will dem Vater nicht die Show stehlen. Er hat seinen eigenen Kopf, seine eigenen Pläne mit dem Familienbetrieb. Der jüngste Miguel will noch viel stärker ins Premiumsegment eindringen, anstatt in der umkämpften Mittelklasse zu wachsen. Den Konzern um eine "Schicht" ergänzen, wie er das diplomatisch formuliert.

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