11.07.2018 
Gemeinsam gegen Google, Apple, Facebook und Amazon

Handel, Banken, Internet - wie deutsche Firmen sich gegen die GAFA-Gang wehren

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Getty Images/Perspectives

3. Teil: Ruf nach dem Staat

Verkauft wird Verimi als "Generalschlüssel für das Internet". Nutzer, die sich dort registrieren, sollen sich über ein einziges Log-in bei unterschiedlichen Internetangeboten anmelden können. Verimis Eigner, zu denen auch Springer, Daimler, Allianz und Lufthansa gehören, möchten so eine Alternative zu Google und Facebook schaffen.

Ob es diesmal besser läuft, ist fraglich. Hinter den Kulissen wird heftig darum gerungen, welche Daten man mit Verimi teilen soll (die Kundendaten sind schließlich für alle Unternehmen wertvoll). Darüber hinaus gibt es längst auch deutsche Konkurrenz.

United Internet zieht zusammen mit RTL und ProSiebenSat.1 mit NetID eine eigene Log-in-Plattform hoch, bei der Nutzer ihre vorhandenen GMX-, Web.de- oder Maxdome-Konten nutzen können. Über 40 Millionen aktive Konten hat das Bündnis so bereits vor dem Start zusammen.

Zwei Allianzen, die ihren festen Willen zur Kooperation bekunden, aber dann doch lieber erst mal getrennt starten. Bei Facebook und Google halten sich die Sorgen vor der Konkurrenz in Grenzen, sie ist zu zerstritten.

Kein Wunder, dass immer mehr Beobachter nach der Politik rufen, um den GAFAs Einhalt zu gebieten. Selbst Unternehmer und Freigeister wie Thelen glauben, dass der Abstand "zu gewaltig" ist, um noch aufholbar zu sein.

Wo die Chancen der Bündnisse noch am besten sind

Am besten stehen die Chancen noch dort, wo die Digitalisierung gerade erst begonnen hat und wo die Deutschen vorn dabei sind: beim autonomen Fahren (Here), beim Carsharing (Daimler und BMW) und der industriellen Anwendung der künstlichen Intelligenz (siehe Technologiepolitik: Die Mind-Mission) sowie der Vernetzung der Produktion. Gerade mal 3,5 Prozent der Fabriken sind bislang ans Internet angebunden, schätzt Siemens - in zehn Jahren sollen es 75 Prozent sein. Der Münchener Elektromulti hat mit MindSphere eine Plattform im Angebot, die als führend gilt. MindSphere soll zum Betriebssystem des Internets der Dinge werden - ein Android für Fabriken.

Natürlich pirschen sich auch Google und Amazon mit ihren Cloudlösungen an. Doch den Münchenern wird zugetraut, zu den zwei bis drei Plattformen zu gehören, die am Ende übrig bleiben. Im Januar konnte Siemens in Berlin ein Bündnis deutscher Maschinenbauer und anderer Industrieunternehmen präsentieren, die MindSphere nutzen. Mit Bosch und SAP mischen in dem Business zwei weitere deutsche Firmen mit, die sich Chancen ausrechnen.

Allerdings sollten sie dafür viel Geduld und Geld aufbringen. Bevor Amazons Smartspeaker zum Hit wurde, musste Konzernchef Jeff Bezos Hunderte Millionen Euro für ein missglücktes Smartphoneprojekt abschreiben. Insgesamt habe Amazon bereits mehrere Milliarden Dollar für derartige Fehlschläge versenkt, erklärte Bezos damals. Doch im Rückblick sei das "letztlich egal".

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