11.07.2018 
Gemeinsam gegen Google, Apple, Facebook und Amazon

Handel, Banken, Internet - wie deutsche Firmen sich gegen die GAFA-Gang wehren

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Getty Images/Perspectives

2. Teil: Brüchiges Bündnis

Doch das Bündnis der Einzelhändler wird schnell brüchig. Als Erster zieht sich Lidl zurück. CEO Sven Seidel (44) wird gefeuert, die Digitalprojekte des Discounters werden weitgehend eingestampft. Als Nächstes verabschiedet sich Media-Saturn. Offiziell heißt es, man habe nicht mehr an "das Set-up" geglaubt, daran, einen "Mehrwert für den Kunden" zu schaffen und "relevante Marktanteile" zu erkämpfen. Insider berichten , CEO Pieter Haas (54) sei der Börsengang der neuen Gesellschaft Ceconomy dazwischengekommen: "Von da an war nur noch wichtig, dass die nächsten Umsatzzahlen stimmen."

Als dann auch noch der Otto-Vorstand aussteigt, ist Zandra endgültig gescheitert. "Bei allen erschienen andere Probleme dringlicher und das Risiko des Scheiterns zu hoch", resümiert ein Beteiligter. Ein Zweiter sagt: "Am Ende obsiegte das kurzfristige Denken."

Es sind genau die Gründe, die Frank Thelen (42) als Hauptursachen dafür ausmacht, dass deutsche Unternehmen im Kampf gegen die Big Four scheitern. Der Investor, der sein Geld mit einem digitalen Fotodienst machte, gilt hierzulande als das wohl bekannteste Digitalgesicht, seit er in der Vox-Show "Höhle der Löwen" Gründer grillt. Nun streicht er 20.000 Euro und mehr dafür ein, auf Branchenkongressen etablierte Unternehmen aufzurütteln. "Ihr werdet leider einfach sterben!", ruft er Energievorständen zu.

Meistens, so warnt er, werde die Gefahr nicht erkannt, weil sie so langsam komme. Das sei wie mit dem Frosch, der ins kalte Wasser geworfen wird und nicht merkt, wie es langsam aufheizt. Bis es so heiß ist, dass er stirbt. "Genau das passiert gerade. Die Vorstände sitzen im Topf und sagen: Oh, ist ja schön warm geworden."

An warnenden Beispielen fehlt es nicht. Die Banken konnten sich zu einer Reaktion auf den Bezahldienst Paypal erst rund 16 Jahre nach dessen Gründung aufraffen. Um sich dann vor allem selbst zu blockieren. Der Fall zeigt ein Grundproblem solcher Allianzen: Sie werden nicht von starken Gründern geführt, sondern sind Zweckbündnisse, die häufig durch taktische Geplänkel der Gesellschafter zerrieben werden.

So wird Paydirekt bis Dezember 2017 zwar formal von den beiden Geschäftsführern Niklas Bartelt (49) und Helmut Wißmann (50) gelenkt. Wie Schuljungen müssen sie aber wöchentlich zum Rapport beim Verwaltungsrat antreten, dem eigentlichen Machtzentrum. Die Gesellschafter indes entscheiden nichts, sie ringen monatelang um Formelkompromisse.

Verzögert und zerredet

Die Uneinigkeit beginnt schon bei grundlegenden Fragen. Soll mit Paydirekt überhaupt eine eigene Marke aufgebaut werden? Die Sparkassen dringen lange darauf, dass das Paydirekt-Logo für ihre Kunden nur ergänzend zum Sparkassenlogo in Onlineshops auftauchen soll - wenn überhaupt. Eine zentrale Werbekampagne für Paydirekt wird vom Verwaltungsrat nie bewilligt.

Die Herrscher über's deutsche Internet
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Die Selbstblockade der Banken verzögert auch die Einführung essenzieller Funktionen. Der Plan, dass Nutzer sich (wie bei Paypal) Geld zuschicken können, wird von den Sparkassen torpediert. Sie wollen keine Konkurrenz für ihre eigene Geldsende-App Kwitt. Bis heute gibt es die Funktion bei Paydirekt nur als "Beta-Version" - Sparkassenkunden sind nach wie vor nicht angebunden.

Und während Paypal-Nutzer an Tankstellen längst zahlen können, wird bei Paydirekt ewig diskutiert, ob das noch in den Zuständigkeitsbereich falle. Girocard- und Kreditkartenumsätze könnten verloren gehen, so die Befürchtung. Ergebnis: Paydirekt spielt drei Jahre nach Gründung so gut wie keine Rolle.

Dass es anders geht, zeigen die Niederlande. Die Banken dort haben mit der Bezahlallianz iDEAL bereits 2005 den Markt dicht gemacht. Paypal kommt nur auf einen Anteil von 5 Prozent - weit abgeschlagen hinter der Heimlösung (56 Prozent).

Ob es für Paydirekt überhaupt weitergeht, wird intern inzwischen stark bezweifelt. Zwar ist mit Christian von Hammel-Bonten (48) seit Dezember 2017 ein unternehmerischer Typ als neuer CEO an Bord, der nun über die weitere Finanzierung des Projekts verhandelt. Doch viele der Geldhäuser haben ihren Fokus auf andere Bündnisse verlagert.

Die Deutsche Bank etwa hat mit Verimi bereits die nächste Anti-Valley-Allianz gegründet, sie soll irgendwann ebenfalls zum Paydirekt-Konkurrenten werden. Im Hintergrund agieren erneut die IT-Berater von Core, die hatten bereits den Auftrag, Paydirekt aufzubauen.

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