08.05.2018  Geldanlage für Kopfmenschen

Ebay auf Argentinisch

Eine Kolumne von Georg von Wallwitz
Stelleo Tolda, Chief Operating Officer (COO) bei MercadoLibre
REUTERS
Stelleo Tolda, Chief Operating Officer (COO) bei MercadoLibre

MercadoLibre ist die heißeste Internetwette Südamerikas.

Manchmal denke ich, wie schön es gewesen wäre, mit dem Wissen von 2017 im Jahr 2007 investiert zu haben. Diese schwachen Momente gehen aber rasch vorüber. Schließlich gibt es auch heute noch Gelegenheiten, man muss nur richtig suchen. MercadoLibre (MELI) ist so eine Aktie, der E-Commerce-Marktführer Lateinamerikas.

Georg von Wallwitz

Der Konzern verfolgt ein ähnliches Geschäftsmodell wie Ebay, bietet unabhängigen Händlern eine Plattform. So umfassend, dass MELI in Lateinamerika mit demselben Anspruch auftritt wie Amazon im Rest der Welt: To be the store of everything, der Laden, in dem es alles zu kaufen gibt.

Lateinamerika ist, was das Internetzeitalter anbelangt, oft noch auf dem Stand von 2007. Der große Schub steht erst noch an. Der Onlinehandel wächst zwar jedes Jahr um 18 Prozent, steuert bisher aber trotzdem nur 3 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Und 25 Prozent des Digitalkuchens hat sich MELI gesichert.

Das Unternehmen hat seinen Heimatmarkt fest im Griff. Die Hälfte der Erlöse stammt aus Brasilien, ein Drittel aus Argentinien. Das bedeutet hohe Volatilität, setzt aber auch hohe Eintrittsbarrieren für die globale Konkurrenz. Im brasilianischen Krisenjahr 2015 steigerte der lokale MELI-Ableger seinen Umsatz in Dollar gerechnet um 6 Prozent. Das Geschäftsmodell scheint also stabil.

Billig ist die Aktie nicht. Der Kurs hat sich 2017 fast verdoppelt, MELI ist an der Börse 14 Milliarden Dollar wert. Das entspricht mehr als dem Zehnfachen des aktuellen Umsatzes. Aber ich glaube an das Potenzial, denke eher an Kaufen als an Verkaufen.

Mehr zum Thema