16.04.2018 
Geely-Chef Li Shufu drängt Daimler zu Kooperationen

Geely - die Achsenmacht aus China

Von
manager magazin online

3. Teil: In China gilt: Europe sells

Li Shufu gehe es bei der Expansion vor allem darum, das "Markenimage für den Verkauf in China aufzupolieren", sagt McKinsey-Partner Paul Gao. Je globaler die Marke daherkommt, desto glanzvoller ist sie für chinesische Kunden. Europe sells.

Wie weit es Chairman Li mit seiner Strategie bringt, hängt entscheidend vom Tempo der Elektrifizierung und Digitalisierung der Branche ab. Wenn Chinas Führung mit ihren Plänen Ernst macht und strenge Elektroquoten und Emissionsstandards einführt, um den allgegenwärtigen Smog zu bekämpfen, stehen Geelys Chancen nicht schlecht. So verkaufte 2017 nur der Staatskonzern BAIC (21 Prozent Marktanteil) mehr Elektroautos als Geely (16 Prozent).

Ein Durchmarsch wird es allerdings nicht. Die meisten E-Modelle erinnern nach wie vor mehr an "hochgerüstete Gokarts", so Jochen Siebert von der Beratung JSC Automotive. Die Reichweiten seien gering, das Segment ist nur dank hoher Subventionen überhaupt lebensfähig. 2020 laufen die Hilfen aus.

Deshalb muss Geely seine E-Autos gründlich erneuern. Bis 2020 sollen 90 Prozent der Fahrzeuge Hybride oder reine Elektroantriebe sein. Lynk & Co wird es in Europa nur als Batteriefahrzeug geben.

Die voranschreitende E-Mobilität ist auch der Grund für Lis Interesse an Daimler. Der Akku- und Mercedes-Fan würde sich den Stuttgartern gern als Partner andienen, bei Bedarf auch unterlegt mit einer "signifikanten Beteiligung", die ihm den nötigen Einfluss auf den Aufsichtsrat sichert.

Seit Monaten verhandelt die Geely-Führung über einen Anteilskauf. Ein erstes Angebot hatten die Stuttgarter abgelehnt. Angeblich hatte Chairman Li den Daimler-Managern vorgeschlagen, Anteile mit Rabatt abzugeben. Nun will er sich am freien Markt mit Aktien eindecken.

Lis Selbstbewusstsein ist gigantisch, mit der Tendenz zu Übermut. Das liegt auch daran, dass es Geely als erstem chinesischen Hersteller gelungen ist, einen eigenen On-demand-Fahrdienst im Uber-Stil aufzubauen. "Geely übernimmt das Playbook der Techunternehmen", sagt Berater Gao, "und zwar recht erfolgreich." Cao Cao Car verfügt über professionelle Fahrer, während bei Marktführer Didi hauptsächlich Privatpersonen ihre Dienste anbieten.

Über 12.000 Elektrotaxis sind in 17 Städten für Cao Cao bereits unterwegs, zwei Jahre nach Gründung sollen das Angebot schon mehr als 10 Millionen Kunden nutzen. Nach der ersten Finanzierungsrunde im Januar wird das Start-up mit rund 1,3 Milliarden Euro bewertet - ein Unicorn, das aus dem Konzern entstanden ist.

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Geely auch die Black Cabs in das Cao-Cao-Netzwerk einspeist - derzeit entsteht in Hangzhou eine Kopie der Taxifabrik im britischen Coventry. So schließt sich der Kreis für Chinas ersten globalen Autokonzern. Wenn auch - noch - im Kleinen.

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