17.07.2017 
Ausfahrt mit dem Ferrari 488 Spider

Rabiat, aber beherrscht

Von
Ferrari

Im neuen 488 Spider befeuert Ferrari den Saugmotor mit Turboladern: ein wahrer Genuss.

Wer die Motorleistung immer weiter steigern will, zugleich aber die Emissionen mindern muss, dem bleibt nur, auf Turbolader zu setzen. Das hat Ferrari begriffen. Während bei Lamborghini die Geschosse noch ausnahmslos von Saugern angetrieben werden, steuert die Konkurrenz aus Maranello konsequent um: Der Hubraum beim neuen Ferrari 488 Spider schrumpfte von 4,5 auf 3,9 Liter, die Leistung stieg um 100 auf 670 PS. Und ich muss sagen: Ich breche gern mit einer Tradition, wenn damit so viel Fahrspaß verbunden ist.

Meine Ausfahrt mit dem offenen Mittelmotormodell führt mich durch das nordpfälzische Bergland und das Donnersberg-Massiv. Schon bei der Anfahrt auf der A63 wird klar: Hier herrscht kein Mangel, nirgends. Der Achtzylinder klingt deutlich tiefer und sogar voluminöser als die Vorgängermaschine und bereitet dank der parallel arbeitenden Turbos die reinste Drehfreude. Der Antritt ist noch rabiater, der 488 geht willig und zügig auf 8000 Touren.

Der Durchzug entwickelt sich nach kurzem Anlauf linear, das maximale Drehmoment von bulligen 760 Newtonmetern liegt schon bei 3000 Umdrehungen vor - und katapultiert den mit 1,5 Tonnen vergleichsweise leichten Zweisitzer in nur 8,7 Sekunden auf Tempo 200. Und selbst bei 300 ist noch lange nicht Schluss.

Bevor ich mich über die Serpentinen der Nordpfalz hermache, klappe ich das Hardtopverdeck weg und fühle die Straße noch unmittelbarer. Was auffällt, ist die leichte Beherrschbarkeit des 488: Keine Spur mehr von der Heimtücke früherer Mittelmotormodelle, die ohne Vorwarnung am Kurvenscheitelpunkt über alle vier Räder ausbrachen und kaum einzufangen waren. Die raffinierte Fahrwerkselektronik sorgt nun für sensationelle Tempi. Das Siebenganggetriebe aus der Formel 1 passt sich an jeden Fahrstil an, wechselt die Gänge schneller und effizienter als jeder Handschalter.

Ferrari 488 Spider
Technik
670 PS
492 kW
260 g/km CO2-Emission
Dynamik
3,0 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
325 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 239.780 Euro

Leider hat es auch im neuen Ferrari wieder nicht für ein ordentliches Navi gereicht: Das Gerät ist nach wie vor schwer zu bedienen, das kleine Display gerade mit offenem Dach, wenn die Sonne direkt drauffällt, kaum lesbar. Und die Klimaanlage kühlt nur bei maximaler Gebläsestellung richtig und macht dann viel Lärm.

Wer mit dem Spritverbrauch weit jenseits des Normwerts von 11,4 Litern im echten Ferrarifahrerleben nicht klarkommt, der möge bitte auf saubere Dieselfahrzeuge umsteigen. Schlechter Scherz, ich weiß. Aber da bin ich jetzt tatsächlich mal Traditionalist.

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