03.02.2018  Factor Investing - Absicherungs-Strategie im Abschwung

Eine Medizin gegen den persönlichen Finanz-Crash

Ein mm-Report von
Getty Images

Die neue Geldanlagemethode soll Investoren vor einem bösen Erwachen im nächsten Crash bewahren - ohne bis dahin auf Rendite zu verzichten. Ist das realistisch?

Manchmal hilft Twitter sogar bei der Geldanlage. Als sich Hedgefondsmilliardär Cliff Asness (51) und Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler (72) Ende Oktober verbal duellierten, ging es um die Grundfrage aller Investoren: Kann ich schlauer sein als der Markt und zum richtigen Zeitpunkt ein- oder aussteigen?

Der Ökonom und Verhaltensforscher Thaler meint: nein. Und spottet über alle, die anderer Meinung sind: "Man sollte nur Aktien kaufen, deren Kurse sicher wieder steigen."

Asness, Gründer des Hedgefonds Applied Quantitative Research (AQR), wirbt jedoch damit, den perfekten Zeitpunkt zum Hoch- und Runterfahren der Aktienquote vorhersagen zu können. Seine Jünger sind zahlreich, er verwaltet 200 Milliarden Dollar Anlegervermögen.

Schon einmal hat Asness eine von Forschern als irre verschriene Investmentstrategie zu einem Renditetreiber gemacht: Momentum-Investing, bei dem Anleger genau das kaufen, was kürzlich erst gestiegen und somit teurer ist. Die Antischnäppchenstrategie, sozusagen. Nun will der Hedgefonds-guru seine Anleger mit einem völlig neuen Analyseverfahren beglücken: Factor Investing. Geldhäuser wie die Deutsche Bank nehmen die Methode ernst, feiern sie bereits als "die dritte Generation der Anlagestrategie".

Modelle, die auf Risikofaktoren zielen

Bei der ersten war noch die richtige Quote zwischen Aktien und Anleihen entscheidend. Beim Techaktien-Crash des Jahres 2000 brachte sie den Investoren jedoch schmerzhafte Verluste ein. In ihrer Not wandten sich viele Pensionsfonds und Versicherer der zweiten Asset-Allocation-Generation zu: dem Modell des Yale-Stiftungsfonds, der Private-Equity- und Hedgefondsanteile untermischt.

Als die Vermögenswerte in der Finanzkrise trotzdem wegknickten, musste eine neue Lösung her. Seither stehen Modelle hoch im Kurs, die auf die Risikofaktoren abzielen. Das bedeutet: Anleger sollen direkt auf die Prämien schauen, die sie dafür bekommen, dass sie bestimmte ökonomische Risiken eingehen.

Smarte Geldverwalter, allen voran der mehr als 1000 Milliarden Dollar schwere norwegische Staatsfonds, denken schon in solchen Kategorien. Weltmarktführer Blackrock heuerte Andrew Ang von der Columbia University an, der Ökonom hatte zuvor die Norweger bei ihrer Strategie beraten.

Mit den Faktormodellen soll es endlich gelingen, die verheerende Endlosschleife aus Spekulations-blasen und darauf folgenden Marktimplosionen zu beenden. Den überforderten Anlegern soll geholfen werden, im Fall eines Abschwungs Kursverluste zu begrenzen. Denn nach acht Jahren Kursrallye blähen sich in vielen Marktsegmenten wieder gefährliche Blasen auf.

Horrende Preise finden sich in unterschiedlichsten Assetklassen. Wie also können sich Anleger davor schützen, dass ihre Vermögen nicht dem nächsten Rückschlag zum Opfer fallen? Ganz gezielt gegen die Blasen wetten? Oder einfach nur raus aus Aktien?

Nein, sagt AQR-Gründer Cliff Asness. Er rät dazu, mehrere Faktorstrategien so zu kombinieren, dass sie das Verlustrisiko minimieren. Damit ließen sich die "schlimmsten Schmerzen vermeiden" und im Idealfall sogar die Renditen steigern.

Mit diesem Versprechen gewinnt Asness auch hierzulande immer mehr Kunden. Bei seinem Besuch in Frankfurt zu Jahresbeginn waren mehrere Dutzend Großanleger ins Hotel "Jumeirah" hinter der Hauptwache gekommen, um ihn zu sehen. "Viele davon Bewunderer, die begeistert waren, ihrem Gott einmal so nahezukommen", sagt ein Investmentberater.

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