23.08.2018  Die besten Orte in Europa für Outdoor-Fans

Wild, weit, weg

Von Viola Keeve

Die Wüste von Bardenas Reales of Navarra in Spanien
Getty Images
Die Wüste von Bardenas Reales of Navarra in Spanien

Die Wildnis in Europa wird immer kleiner, doch ein paar letzte entlegene Gegenden gibt es noch. Neun Touren durch Moore, Steppen, Wüsten, Nebelwälder - samt Schlafstätte. Abenteuer light kann auch Abenteuer sein.

Die folgende Geschichte stammt aus der Juni-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Mai erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Dass es in Europa noch Wildnis gibt, merkt man meist erst dann, wenn sie gerade verschwindet. Wie in Polen, wo derzeit vor aller Augen ein Weltnaturerbe abgeholzt wird: der letzte Urwald des Landes an der Grenze zu Weißrussland. Der EU-Gerichtshof verurteilte Warschau zu 100.000 Euro Strafe am Tag. Doch das Forstamt ist eine Institution. Und die macht auf den 63.000 Hektar, was sie will.

Oder in Österreich, wo die Rothschild-Erben unlängst 5412 Hektar Wald höchstbietend verkauft haben, darunter ein großes Naturreservat, ausgerechnet an die Wiener Prinzhorn-Gruppe. Eines der besten Jagdgebiete der Alpen gehört nun einem Papier- und Verpackungskonzern.

Nur noch ein Prozent der Landfläche des Kontinents ist geschützte Wildnis. Kaum mehr vorstellbar, dass zur Zeit des Römischen Reichs Mitteleuropa von dichten Urwäldern bedeckt war, mit so gewaltigen Bäumen, dass man unter ihren Wurzeln hindurchreiten konnte, wie der Chronist Tacitus schrieb.

Immerhin: Ein paar entlegene Gegenden haben sich gehalten. Und plötzlich wollen sie alle hin. Da lernen Großstädter, Feuer mit dem Holzstab zu machen, grillen Käfer, schlucken Regenwürmer. Da werden millionenfach Bücher über den Wald ("Das geheime Leben der Bäume") verkauft, das Unterholz zum Digital-Detox-Camp verklärt. Alles auf Aus im Geäst.

Die Sehnsucht nach Weltflucht ist uralt. Schon vor 164 Jahren erschien "Walden oder Leben in den Wäldern" von Henry David Thoreau, dem Sohn eines Bleistiftfabrikanten. Er lieh sich eine Axt und baute in Concord, Massachusetts, eine Waldhütte am See, pflanzte Bohnen, sammelte Heidelbeeren. Von seinem Buch verkaufte er 2000 Exemplare, nach zwei Jahren gab er das Experiment auf. Erst später wurde das Werk zur Aussteigerbibel Nummer eins. Heute ist die Blockhütte am Walden Pond eine Pilgerstätte aller "Zurück zur Natur"-Jünger. Es gibt Magazine und sogar ein Computerspiel namens "Walden" (aus Kalifornien).

War die Wildnis früher noch ein Luxusgut für die Reichen und Mächtigen, hier entspannte man sich, schmiedete Allianzen, ist Wildnis heute für alle zu haben. Am liebsten light: Für eine Woche keinen sehen, nur Bäume, Fische oder beigerotes Geröll - aber am Ende des Tages statt Laublager ins Luxushotel. Wir haben da mal was für Sie zusammengestellt.

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