05.12.2017  Einzelhandel

Edeka in der Klemme - warum der Tengelmann-Deal nicht hilft

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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran
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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

5. Teil: Der Controller wird zum Rambo

Ob das Joint-Venture auch Edeka nützt, gilt in der Branche als längst nicht ausgemacht. Die Idee der Genossen ist, an sogenannten Koppelstandorten mit einem Edeka-Laden und Discounter zusätzlich eigene Drogeriemärkte zu errichten und so zu verhindern, dass DM oder Rossmann sich dort niederlassen.

Ausgegoren ist das Projekt nicht, bei der dreistufig organisierten Edeka reden einfach zu viele Leute mit. Ob die Fachmärkte von der Zentrale, von den sieben Regionalgesellschaften oder von den Kaufleuten vor Ort betrieben werden sollen, ist völlig ungeklärt. Auch, wer dafür bezahlen soll. Es gibt weder eine valide Expansionsplanung noch ist entschieden, ob neue Läden unter dem Budnikowsky-Logo oder einem anderen Label öffnen sollen.

Und so wird zunächst eher halbherzig investiert. Die Kooperation lässt sich Edeka gerade mal einen einstelligen Millionenbetrag kosten.

Das Kompetenzgerangel unter den Genossen behindert immer mehr auch die Warenbeschaffung. Da redet der europäische Einkaufsverbund AgeCore mit, außerdem die Edeka-Zentrale und die Einkaufschefs der Regionen, die sich in einem "Nationalen Verhandlungsteam" (NVT) organisiert haben.

Den Wirrwarr bekommen zuweilen sogar die Kunden zu spüren. Anfang des Jahres gab es erst Lücken in den Coca-Cola-Regalen, dann bei Schokoriegeln und Tierfutter des US-Konzerns Mars. AgeCore-Einkäufer hatten mit den Markenartiklern einen Streit um Konditionen angezettelt, den Edeka-Chef Mosa höchstpersönlich beilegte.

Mr Troubleshooter sorgte dafür, dass man sich über die Preise einigte und wieder Ware geliefert wurde. Das wäre eigentlich noch Aufgabe von Einkaufsvorstand Kordmann gewesen. Doch der unkommunikative Manager galt schon länger als Fehlbesetzung. 2015 war er von der Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern gekommen, nachdem er sich selbst für den Topjob empfohlen hatte.

Kordmann wird unter anderem angelastet, dass er sich nicht genug um den wichtigen Eigenmarkenbereich gekümmert hat. Mit Labels wie "Gut & günstig" oder "Edeka Bio" kann sich der Händler bei den Kunden profilieren, außerdem ist die Verdienstspanne größer als bei Markenartikeln.

Der bis 2012 amtierende Einkaufsvorstand Gert Schambach (49) hatte da noch Maßstäbe gesetzt. Als er ging, verfügte Edeka über dreimal so viele Eigenmarkenartikel wie zu Beginn seiner fünfjährigen Schaffensperiode. Seither hat sich wenig getan.

Schambach war in Hamburg nicht mehr erwünscht - wegen zu großen Erfolgs. Mosa missfiel, dass sein Vorstandskollege immer selbstbewusster agierte und zu viele Kompetenzen an sich reißen wollte. Er fühlte seine eigene Position bedroht.

Nach Schambachs Kündigung übernahm der gelernte Controller Mosa zum ersten Mal das Einkaufsressort im Nebenjob. Und führte sich gleich als Rambo auf. Reihenweise flohen die Manager. Einige folgten Schambach zum Filialunternehmen Dohle (Hit-Märkte).

Weil ihm die geballten Abgänge Edeka-intern angelastet wurden, hielt Mosa die Kündigung seines wichtigsten Warenmannes, Hans-Jürgen Moog (49), ein halbes Jahr lang geheim. Durch sein Schweigen ließ er zu, dass Moog weiterhin Zugang zu vertraulichen Informationen erhielt, bevor er sein Wissen mitnahm. Heute arbeitet er in zentraler Funktion bei Rewe.

Der Exodus hielt an, bis der Mosa wohlgesonnene Aufsichtsratschef Adolf Scheck (66) seinen Schützling 2015 aus der Schusslinie nahm und wieder einen Einkaufsvorstand einstellte - Kordmann. Auch dieses Experiment misslang, schon bald gab es abermals Kündigungen in Serie. Abtrünnige wurden nun sofort freigestellt und mussten ihre auf zwei Jahre verlängerte Kündigungsfrist zu Hause absitzen.

Nun also Mosa reloaded. Reifer und diplomatischer sei er geworden, behaupten sie bei Edeka. Die Doppelbelastung lindert das nicht. Und von seinen Machtspielchen wird Mosa wohl auch künftig nicht lassen können. Argwöhnisch achtet er darauf, dass ihm niemand gefährlich wird.

Völlig gegen den Strich wäre es ihm gegangen, wenn sich wieder jemand aus den Edeka-Regionalgesellschaften zum Einkaufsvorstand berufen gefühlt hätte. Bevor sich so ein selbstbewusster Nebenbuhler in Hamburg einnistet, wollte er den Job ("Das Herzstück des Handels") lieber wieder selbst machen.

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Kohler (51), mehr auf Ausgleich bedacht als Vorgänger Scheck, erfüllte ihm den Wunsch. Im Gegenzug musste Mosa freilich das geliebte Marketing aufgeben. Drei Jobs wären dann doch zu viel. Das Ressort übernahm sein vormaliger Mitarbeiter Claas Meineke (46) - und der kann ihm kaum gefährlich werden.

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