05.12.2017  Einzelhandel

Edeka in der Klemme - warum der Tengelmann-Deal nicht hilft

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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran
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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

4. Teil: Ein Internetshop als Zugabe

Schlechter fällt die Bilanz aufseiten Edekas aus. Lange vor dem Kartellamtsverbot hatte die Hamburger Zentrale eine Best- und eine Worst-Case-Kalkulation aufgemacht. Die Restrukturierungsaufwendungen, sprich Schließungskosten, für Fleischwerke, Lager und Verwaltung waren jeweils unterschiedlich hoch eingepreist. Mindestens 369, höchstens 472 Millionen Euro sollte der Deal die Blaugelben kosten - genauer gesagt: vor allem jene beiden Regionalgesellschaften, die am meisten von der Übernahme profitieren würden, also die für Berlin zuständige Edeka Minden-Hannover und die Edeka Südbayern.

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Die Edeka Rhein-Ruhr hingegen sollte aus dem Gesamtbudget mit minimal 20, maximal 29 Millionen Euro entschädigt werden; dafür, dass sie "Karls Resterampe" (interner Spott) in Nordrhein-Westfalen klaglos übernahm.

Dank Caparros, Gabriel & Co. dürfte sich die Gesamtbelastung in Richtung Worst-Case-Szenario aufsummieren. Immerhin minderten zwei Posten den Aufwand der Blaugelben. Aufgrund von Gabriels Auflagen konnte Haub etliche Vorleistungen wie Standortschließungen und Personalabbau nicht mehr erbringen, statt der ursprünglich vereinbarten 249 Millionen Euro flossen letztlich weniger als 100 Millionen Euro. Rewe überwies 21 Millionen Euro für ihre Läden.

Negativ zu Buche schlug indes, dass nicht nur die Edeka Rhein-Ruhr, sondern auch Netto konzerninternen Schadenersatz beanspruchte, etwa 15 Millionen Euro. Edeka wollte sich nicht zu den Kosten äußern.

Eher nolens als volens erhielten die Hamburger als Zugabe einen Lebensmittellieferdienst mit dem schönen Namen Bringmeister. Mosa machte bei einem Besuch in der Berliner Firmenzentrale klar, dass eine Expansion über die bisherigen Geschäftsgebiete Berlin und München hinaus vorerst illusorisch sei - obwohl Edeka schon jetzt dem Lieferservice von Rewe hinterherläuft und Amazon fresh sich anschickt, den Lebensmittelmarkt aufzumischen.

Für Mosas Zurückhaltung gibt es drei Gründe: Erstens gilt die Bringmeister-IT als veraltet und nicht beliebig skalierbar.

Zweitens arbeitet die Firma, wie fast alle Konkurrenten, hoch defizitär: Für 2017 sind bei einem budgetierten Umsatz von 25 Millionen Euro satte 23 Millionen Euro Verlust eingeplant. "Es wäre einfacher und billiger", spottet ein ranghoher Edekaner, "jedem Kunden fünf Euro zu schenken, wenn er auf eine Bestellung verzichtet."

Drittens empfinden viele Edeka-Händler Bringmeister als Fremdkörper im blaugelben Reich: eine Firma, die ihnen Geschäft streitig macht und für deren Defizite sie dann auch noch aufkommen müssen. Wenn schon online, dann machen die Kaufleute das Geschäft lieber selbst, mittels der von ihrer Zentrale angebotenen Internetplattform.

Weil Edeka-Chef Mosa gern beweist, dass er ein zupackender Kerl ist, wenn sich die Gelegenheit ergibt, ging die Edeka-Zentrale zuletzt eine weitere seltsame Liaison ein. Er verbündete sich mit dem Hamburger Filialisten Budnikowsky. Hintergrund: Drogeriemarktketten wie DM, Rossmann oder Müller nehmen den klassischen Supermärkten immer mehr Marktanteile bei Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetik und Körperpflegeprodukten ab. Mit "Budni", wie die Kunden liebevoll sagen, will Edeka künftig über eine gemeinsame Servicegesellschaft Drogerieartikel einkaufen. Zudem darf Mosa außerhalb des Budni-Stammgebietes eigene Fachmärkte aufmachen.

Der Mittelständler war in den vergangenen Jahren immer tiefer in die roten Zahlen abgeglitten. Mangels Masse kaufte er wesentlich teurer ein als DM und Rossmann. Die Alternative war, die Kunden mit höheren Preisen zu verprellen oder auf Deckungsbeitrag zu verzichten. Notgedrungen entschied sich Budni für einen Mix aus beidem.

Trotz der Zwangslage mochte die Eigentümerfamilie Wöhlke ihre Firma nicht verkaufen. Dabei war ein Angebot von Rossmann fast unterschriftsreif. Die Wöhlkes wollen sich weiterhin als unabhängige hanseatische Kaufleute fühlen dürfen. Jetzt hängen sie am Tropf von Edeka. Immerhin profitieren sie erst einmal von den besseren Einkaufskonditionen des Lebensmittlers.

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