05.12.2017  Einzelhandel

Edeka in der Klemme - warum der Tengelmann-Deal nicht hilft

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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran
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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

3. Teil: Die Kriegslist des Konkurrenten

Zudem benötigt ein Discounter wie Netto höchstens die Hälfte des Personals, das ein Supermarkt auf gleicher Fläche beschäftigt. Der überschüssigen KT-Belegschaft müssen die Edekaner anderswo Arbeit anbieten.

Genau andersherum ist es in Bayern. Weil sich die Übernahmequerelen mehr als ein Jahr hinzogen, haben viele gute Leute gekündigt. KT-Vorbesitzer Karl-Erivan Haub (57) stellte kaum neue Leute ein, sodass heute akute Personalnot herrscht. Verdi beklagt massive Arbeitszeitverstöße. Beschäftigte würden zudem entgegen der Ministerauflagen nicht tariflich bezahlt.

Auch in München reichte die Größe vieler Tengelmann-Filialen nicht für Edeka-Supermärkte aus. Monatelang gab es dort Stillstand, den Blaugelben fehlte es für innerstädtische Kleinflächen an Konzepten - wie sie die Kölner Konkurrenz mit Rewe City und Rewe To Go seit Jahren hat. Erst kürzlich wurde für die Bayern-Metropole ein Format namens Edeka Xpress entwickelt, mit viel Fertig-Food für Berufstätige und Singles. Lediglich in Berlin verlief die Umstellung von Kaiser's auf Edeka rasch und problemlos.

Die schleppende Umetikettierung hatte zur Folge, dass bis Ende August erst 231 der 335 Filialen farblich neu eingekleidet wurden. Edeka behauptet, man sei "genau im Zeitplan".

64 Geschäfte aus dem Gesamtpaket, davon 60 in Berlin, mussten die Hamburger vorab an Rewe weiterverkaufen. Dass auch der ärgste Rivale etwas abbekam, war das Ergebnis eines erbitterten Kampfes zwischen Rewe, Edeka, Haub und dem Bundeswirtschaftsminister. Rewe bestritt die Zulässigkeit der Ministererlaubnis - und berief sich darauf, dass eine solche Ausnahmeregelung nur rechtens sei, wenn sie dem Gemeinwohl diene und zur Übernahme keinerlei Alternative bestehe.

Die gab es freilich. Listigerweise hatte der damalige Rewe-Chef Alain Caparros (61) ein Gegenangebot platziert. Darin gab er eine fünfjährige Beschäftigungsgarantie und sicherte zu, die KT-Filialen nicht zu privatisieren. Auch wenn Rewe am Ende leer ausginge, wollte er den Deal für Edeka so teuer wie möglich machen.

Caparros' Plan ging auf. Gabriel konnte die Rewe-Offerte nicht ignorieren. Alles, was die Kölner freiwillig angeboten hatten, musste der Minister wohl oder übel Edeka zur Auflage machen. Andernfalls, so die Befürchtung in Berlin, wäre die Erlaubnis sofort vom Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf kassiert worden.

Caparros war noch nicht zufrieden. Er reichte Klage ein und bekam Recht. Das OLG hielt Gabriel unter anderem Geheimgespräche mit Edeka vor und setzte die Ministererlaubnis außer Vollzug. Mosa und Haub schäumten, ebenso wie Gabriel, der scharfe Richterschelte übte.

Der verhinderte KT-Verkäufer Haub drohte, die Stop-Loss-Taste zu drücken und das Unternehmen, dem es immer schlechter ging, zu zerschlagen. Schließlich gelang es Altbundeskanzler Gerhard Schröder (73) zu schlichten: Rewe zog die Klage zurück und erhielt als Belohnung die 64 Filialen. Caparros hatte auf ganzer Linie gewonnen, viel mehr Läden hätte sein Unternehmen ohnehin nicht verkraftet.

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