05.12.2017  Einzelhandel

Edeka in der Klemme - warum der Tengelmann-Deal nicht hilft

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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran
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Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

2. Teil: Aus den Privatisierungen wird erst einmal nichts

Was hatte Mosa den Genossen nicht alles versprochen: Jene Edekaner, die endlich eigenverantwortlich einen Supermarkt übernehmen oder ihrem Betrieb einen weiteren hinzufügen wollten, sollten Chancen in Hülle und Fülle bekommen; Hunderte von KT-Filialen in Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen harrten der Privatisierung. Zudem würden sich die Einkaufskonditionen durch die zusätzliche Nachfragemacht der Edeka weiter verbessern, hatte Mosa in Aussicht gestellt.

Aus den Privatisierungen wird erst einmal nichts. Gabriels Ministererlaubnis trägt unter anderem die Handschrift der Verkäuferinnen-Gewerkschaft Verdi. Edeka darf die KT-Märkte fünf Jahre lang nicht in die Hand von Selbstständigen geben. Verdi befürchtet, dass dabei Tariflöhne und Mitbestimmung auf der Strecke bleiben würden. Ein Kündigungsschutz besteht sogar noch zwei Jahre länger.

Das Privatisierungsverbot ist mehr als ärgerlich für Mosa. Denn es führt nicht nur zu Frust in der Organisation, sondern hemmt auch die Weiterentwicklung des Geschäfts. Ladeninhaber arbeiten oft bis zur Selbstaufopferung, Edeka hingegen muss die hinzugekommenen Supermärkte auf Jahre mit angestellten Filialleitern weiterbetreiben, die nicht immer hochmotiviert sind.

Etliche Läden fielen von vornherein als ungeeignet durchs Privatisierungsraster, sie waren entweder zu klein oder zu schlecht gelegen. Dutzende Geschäfte in Nordrhein-Westfalen musste deshalb die zu Edeka gehörende Kette Netto Marken-Discount übernehmen. Kundinnen in kaufkräftigen Düsseldorfer Vierteln können nun nicht mehr in ihrer geliebten Kaiser's-Filiale aus einem gehobenen Frischesortiment auswählen, sondern müssen mit abgepackter Billigware vorliebnehmen. Auch ein Einkaufserlebnis.

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