18.04.2018 
Digital-Supermächte streiten um Weltherrschaft

Ma gegen Bezos, USA gegen China - Wer liegt vorn im Duell der Giganten?

Von
REUTERS, Getty Images

Jack Ma gegen Jeff Bezos, Alibaba gegen Amazon: Die Tycoons der beiden Digital-Supermächte China und Amerika starten den Kampf um die Weltherrschaft - nicht nur im E-Commerce.

Die folgende Geschichte stammt aus der März-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Februar erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Jack Ma (53), Gründer des chinesischen Onlinegiganten Alibaba, ist ein witziger Typ. Seine irren Sprüche füllen inzwischen ganze Bücher. Über sich selbst sagt Ma: "Sie nennen mich crazy Jack. Ich hoffe, dass ich für die nächsten 30 Jahre crazy bleibe." Verrückt zu sein gehört für ihn zum Startkapital eines jeden erfolgreichen Gründers. Ma zitiert da gern den legendären Intel-Chef Andy Grove: "Nur die Paranoiden überleben."

Die Chancen, dass der Alibaba-Boss sich dauerhaft behauptet, stehen nicht schlecht. Und das gilt wohl auch für seinen größten Rivalen, dem ebenfalls paranoide Züge nachgesagt werden: Amazon-Gründer Jeff Bezos (54). Der lacht zwar auch gern und vor allem laut.

Ein lustiger Typ wie Jack Ma ist Jeff Bezos aber nicht. Er ist in seiner Firma eher als Tyrann verrufen.

Jack und Jeff - zwei irre Typen, zwei Besessene, zwei Pioniere, die nun zum Duell der Giganten antreten. Alibaba gegen Amazon - "das ist der neue Kalte Krieg", sagt Porter Erisman, langjähriger Mitarbeiter bei dem chinesischen Onlinehändler und Autor des soeben erschienenen Buches "Six Billion Shoppers".

Bis vor Kurzem kamen sich die beiden Multimilliardäre in ihrem Stammgeschäft, dem E-Commerce, nicht in die Quere. Jeder blieb auf seinem Terrain. Amazon beschränkte sich auf die USA, Europa und Japan - also die Staaten mit dem höchsten Einkommen. Alibaba konzentrierte sich auf seinen gigantischen Heimatmarkt China.

Doch mit dieser Aufteilung wollen sich die zwei Techkonzerne künftig nicht mehr zufriedengeben. Alibaba sieht daheim allmählich die Sättigungsgrenze erreicht, Amazon hat Apple in den USA als neue Wachstumsmaschine abgelöst und will seine globalen Ambitionen nun auch mit einer weltumspannenden Abdeckung manifestieren. Beide Konzerne wollen ein globales Warenhaus schaffen, in dem jeder jederzeit jedes x-beliebige Produkt bestellen kann und ins Haus geliefert bekommt.

Kampfarena Südostasien

Alibaba gegen Amazon ist nicht der einzige Zweikampf, den Amerikaner und Chinesen bestreiten. Die beiden Nationen machen die Vorherrschaft im Web unter sich aus: bei den Fahrvermittlungen rangelt Didi mit Uber, im Suchmaschinengeschäft legt sich Baidu mit Google an, bei den Reiseportalen fordert Ctrip Expedia heraus, Tencent wagt den Angriff auf Facebook, und Xiaozhu will Airbnb attackieren (siehe Fotostrecke).

Die Mutter aller Schlachten jedoch ist die zwischen Alibaba und Amazon. Die Arenen, in der sie erstmals direkt aufeinandertreffen, sind Indien und Südostasien. In beiden führen die Konzerne ein erbittertes Gefecht, verbrennen jedes Jahr Milliarden Dollar. Ein Verlust, den sie in Kauf nehmen. Denn wer reüssiert, den erwartet langfristig ein großer und lukrativer Markt. Von den 1,3 Milliarden Indern werden heute schon rund 400 Millionen der Mittelschicht zugeordnet, von den 630 Millionen Einwohnern Südostasiens rund die Hälfte.

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