09.08.2018  Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer

Heute wieder ein König

Von
Katrin Binner für manager magazin

3. Teil: Alle wollten das Gleiche: die Firma retten

"Es war eine aberwitzige Umzieherei von Maschinen und verursachte hohe Kosten", erzählt Restrukturierungsvorstand Andreas Pleßke (56), die Produktion ruhte zeitweise völlig. Mitarbeiter von Werken, die geschlossen wurden, mussten Kollegen an anderen Standorten anlernen, bis zu drei Monate lang.

"Das hat nur geklappt, weil alle zusammenstanden und alles einvernehmlich lief", sagt Pleßke. Üblich sei das nicht. Aber bei Koenig & Bauer zogen Betriebsrat und Management an einem Strang, sie wollten das Gleiche: die Firma retten.

Geholfen hat das hohe Ansehen von Vorstandschef Bolza-Schünemann in der Belegschaft. Der Mann genießt Glaubwürdigkeit, die Mitarbeiter nahmen ihm ab, dass er bei aller Härte fair vorgehen würde. Dass er mit Pleßke einen Restrukturierungsprofi an seiner Seite hatte, machte die Radikalkur einfacher, weil erwartbarer.

Der gemütlich wirkende Pleßke hilft seit über zwei Jahrzehnten schwer angeschlagenen Unternehmen am Rande der Insolvenz. Ihn hatte noch Neubürger als Chief Restructuring Officer engagiert, kurz bevor er als Aufsichtsratschef zurücktrat. Der Schadensersatzstreit mit Siemens belastete ihn zusehends.

Hoyos, der für Neubürger übernahm, zog den Sanierungsplan seines Vorgängers ohne Abstriche durch. Der Wiener Investorenberater holte - noch ein Vorschlag Neubürgers - einen neuen Finanzvorstand nach Würzburg: Mathias Dähn (50), ein enorm ehrgeiziger Finanzer, der unemotional und mit frischem Blick investierte. Er umwarb die Anleger - das war neu für Koenig & Bauer. Und er kam ständig mit neuen Vorschlägen, wo noch mehr Geschäft zu holen sei. Auch das hatte es vorher so nicht gegeben.

Dähn drängte darauf, in Sparten zu investieren, in denen Synergien mit bestehenden Kunden zu holen waren. Schon 2013, bevor der Umbauplan überhaupt fertig war, hatte Koenig & Bauer zwei Spezialisten für das Bedrucken von Glas sowie von Kunststoff, Alufolien und Joghurtdeckeln gekauft. Später kam noch der weltweit zweitgrößte Stanzmaschinenhersteller hinzu; seither bieten die Würzburger nicht mehr allein Maschinen für das Bedrucken von Kartons an, sondern auch für das anschließende Stanzen. Wichtig etwa für die Hersteller der iPhone-Verpackungen.

Die von Dähn initiierte Serviceoffensive zahlt sich ebenfalls aus. Koenig & Bauer nutzt den US-Softwarehersteller Salesforce, Weltmarktführer bei Kundenbetreuungssoftware (CRM), offensichtlich vorbildlich. In den vergangenen zwei Jahren durften die Drucker auf der "Dreamforce" in San Francisco präsentieren, der weltgrößten Kundenmesse von Salesforce.

Bis 2021 soll der Serviceanteil an den Erlösen auf 30 Prozent wachsen. Je besser die Leistung und Verfügbarkeit des bestehenden Maschinenparks, desto eher sind die Kunden bereit, neue Maschinen wieder in Würzburg zu bestellen und dafür mehr Geld auszugeben.

Die Rechnung scheint aufzugehen: "Wir nehmen nur noch profitable Aufträge an", betont Dähn. Per April verkündete das Unternehmen eine Preiserhöhung von 3,7 Prozent über das gesamte Produktportfolio. Die Mittelfristziele, den Umsatz bis 2021 jährlich um 4 Prozent zu steigern bei einer operativen Marge von 4 bis 9 Prozent, sind realistisch. "Koenig & Bauer ist super aufgestellt", konstatiert Union-Investment-Fondsmanager Michael Muders (55), der 2015 eingestiegen ist und 4 Prozent des Kapitals erwarb. Seither hat sich der Kurs vervierfacht.

Nur das Stammgeschäft mit Zeitungsdruckmaschinen spielt bei alldem keine Rolle mehr. "Wir bringen keine neue Maschinengeneration mehr auf den Markt", sagt Dähn. In die Dampfmaschine hat ja irgendwann auch keiner mehr investiert. "Man muss auch mal loslassen", sagt Bolza-Schünemann.

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