17.07.2017  Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin über Gepäck, Autos und Schlaf

"Ich hasse es zu warten"

Von
Privat

Leichtes Gepäck, wenig Schlaf, schnelle Autos - Bulgari-Chef Babin braucht Action.

Das folgende Porträt stammt aus der August-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Jean-Christophe Babin (58), Chef des feinen Schmuck- und Uhrenlabels Bulgari, sitzt in seiner Suite im Frankfurter "Sofitel". Er eröffnet später noch eine Boutique in der Goethestraße, ausgestattet von Stararchitekt Peter Marino. Dort wird dann natürlich Champagner aufgefahren, jetzt gibt's Käsebrötchen und Red Bull. Was Babin gar nicht nötig hat, er läuft auch so auf Hochtouren.

manager Magazin: Monsieur Babin ...

Jean-Christophe Babin: Einen Moment. Wir kennen uns noch nicht, aber ich muss Sie jetzt küssen!

mm: Huch?

Babin: Sie haben mir das Buch "Homo Deus" von Yuval Noah Harari mitgebracht. Das will ich unbedingt lesen, hatte aber noch keine Zeit, es zu kaufen. Ich fand schon den Vorgänger "Eine kurze Geschichte der Menschheit" enorm spannend. Für solche Bücher habe ich ein Faible.

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mm: Gern geschehen. Aber Sie hätten es einfach downloaden können.

Babin: Nein, ich will Bücher besitzen."Eine kurze Geschichte der Menschheit" musste ich öfter kaufen. Das erste Exemplar habe ich im Flieger liegen lassen, das zweite woanders vergessen. Jetzt habe ich drei davon, in jedem meiner Häuser eins: in Rom, Lausanne und Neuchâtel.

Während Babin ein Käsebrötchen schmiert ("Es ist schon nachmittags und Sie haben sicher noch nichts gegessen!"), zeigt er auf sein iPad.

Schauen Sie mal! Ich habe hier 18.000 unbearbeitete E-Mails in meinem Postfach.

mm: Hatten Sie eine längere Auszeit?

Babin: Nein, das ist Absicht. Ich scanne meine Mails immer nur ganz schnell. Die unwichtigen öffne ich erst gar nicht und lösche sie auch nicht. Dauert mir zu lange.

mm: Das ist eine Sache von Sekunden.

Babin: Ich hasse es, Zeit zu verschwenden. Vor allem beim Warten. Ich reise daher nur mit Rucksack als Handgepäck. Egal wohin. Das habe ich auch meinen fünf Kindern beigebracht. Zeitsparend packen macht einen frei und unabhängig. Allein die Zeit, die man am Gepäckband verbringt!

mm: Sind Sie entspannter, wenn Sie privat verreisen?

Babin: Wieder Rucksack, aber Holzklasse. Ich will Beruf und Privates voneinander trennen. In den Ferien treibe ich mich gern auf Terra incognita herum, in Sikkim, Bhutan, China oder auf der alten Seidenstraße. Bei einem Zwischenstopp in Indonesien musste ich mal im Bulgari-Resort in Bali übernachten, damit die Angestellten nicht von mir denken, ich sei ein Snob, der sich nie blicken lässt. Das war mir schon zu viel Luxus.

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