14.07.2017  Wirtschaftskultur: "Black Edge" von Sheelah Kolhatkar

The most wanted man on Wall Street

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  Davongekommen:  Steven A. Cohen musste seinen Hedgefonds SAC Capital schließen – blieb aber schwerreich
REUTERS
Davongekommen: Steven A. Cohen musste seinen Hedgefonds SAC Capital schließen – blieb aber schwerreich

US-Starreporterin Sheelah Kolhatkar zeichnet die Geschichte des Skandalhedgefonds SAC Capital nach.

Buchtipp

Sheelah Kolhatkar
Black Edge: Inside Information, Dirty Money, and the Quest to Bring Down the Most Wanted Man on Wall Street

Random House, 368 Seiten, 25,99 Euro

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Steven A. Cohen war ein schillernder Trader - ein Prinz der Wall Street, wie die "New York Times" einmal schrieb. Sein Hedgefonds SAC Capital (das Kürzel bildet die Initialen seines Namens nach) verwaltete zu seinen besten Zeiten Kundengelder im Wert von rund 15 Milliarden Dollar. 2013 dann implodierte die Firma des Finanzjongleurs, der früher schon seine Klassenkameraden beim Pokern ausgenommen haben soll.

Auf Kommando des legendären New Yorker Bundesstaatsanwalts Preet Bharara führten die Ermittler damals einen verbissenen Kampf gegen die dubiosen Praktiken in der Hedgefondsbranche. Dabei wiesen sie Cohens Fonds verbotenen Insiderhandel mit Pharmaaktien nach. SAC wurde geschlossen, etliche Mitarbeiter kamen in Haft, Cohen wurde zu 1,8 Milliarden Dollar Geldbuße verurteilt. Ihm selbst konnten die Ermittler kein Fehlverhalten nachweisen, ihr wichtigster Kronzeuge, ein SAC-Manager, ging lieber für Jahre in den Knast, als gegen seinen Ex-Chef auszusagen. Fortan galt SAC als das Symbol für die zügellose Gier der Hedgefondsszene.

In "Black Edge" zeichnet Sheelah Kolhatkar den Skandal meisterhaft nach. Sie war in jungen Jahren selbst als Analystin bei zwei Hedgefonds tätig, wechselte später als

Journalistin zur "Bloomberg Businessweek", heute steht sie beim "New Yorker" unter Vertrag. Kolhatkar investierte Jahre in ihr Buchprojekt, führte Hunderte von Gesprächen, wertete Gerichtsprotokolle und FBI-Dokumente aus. Ihr gelingt so ein akribisch recherchiertes Stück Wall-Street-Geschichte. Wen Michael Lewis' Wall-Street-Romane "The Big Short" und "Flash Boys" begeisterten, der bleibt auch bei "Black Edge" über die Distanz von 368 Seiten mühelos bei der Stange.

Ach ja, Cohen, der wie besessen Kunst sammelt und immer noch über ein Privatvermögen von 13 Milliarden Dollar verfügen soll, darf ab 2018 wieder fremdes Geld managen - undarbeitet schon an seinem Comeback. Womöglich Stoff für Folge zwei.

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