28.04.2017  R/GA-Werber Bob Greenberg

Der wahre Mad Man

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Bob Greenberg hat mit R/GA die Vorzeigeagentur des Digitalzeitalters geschaffen. Reklame ist nur noch ein Nebenprodukt.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 5/2017 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Ducati-Motorräder, Züricher Opernplakate, Designklassiker von Braun - Bob Greenberg (68) sammelt "Outsiderkunst". Eine Stilrichtung, die ziemlich gut zu seinem Selbstverständnis passt.

"Wissen Sie, niemand macht das, was wir tun. Das ist einzigartig!" Ein typischer Greenberg-Satz. Er spricht ihn langsam aus, mit sanfter Stimme, wie ein Guru aus den 70ern. Seine grauen Locken wuseln von der Halbglatze bis zur Schulter, mit seinem schwarzen Outfit, den dicken Goldringen und silbernen Armreifen wirkt er wie eine Kreuzung aus gealtertem Rocker und Steve Jobs.

Greenberg sagt, sein Gehirn sei "falsch verkabelt". Er leidet unter Dyslexie, einer ausgeprägten Lese- und Schreibschwäche. Der kleine Bob hatte es deshalb schwer in der Schule. Die Lehrer warnten, aus ihm werde nichts. Als junger Mann musste er in der Spiegelfabrik des Onkels arbeiten.

"Ich war praktisch unvermittelbar", sagt Greenberg. Aber irgendwann entdeckte er seine Talente. Zum Beispiel, dass er komplexe Zusammenhänge besser erkenne als andere Menschen oder die Welt "visuell" wahrnehme. Ach ja, Virgin-Gründer Richard Branson und Investorenlegende Charles Schwab leiden an derselben Störung. Alles Genies, verstehen Sie?

Kürzlich hat Greenberg sich eine eigene (ihm zufolge "bessere") Version von Mies van der Rohes berühmtem "Farnsworth House" bauen lassen. Er ist ein großer Bauhaus-Fan, worüber er gern und lange redet.

Das Selbstlob und die Assoziationsketten, in die sich Greenberg immer wieder verfängt, ließen sich als Marotten eines alten Mannes abtun, wäre da nicht seine Firma, die New Yorker Digitalagentur R/Greenberg Associates (R/GA).

R/GA, das er mit seinem Bruder gründete, ist der Branche Vorbild und Ikone zugleich. Die vergangenen Geschäftsjahre waren jeweils die besten seit Bestehen. Und bei 2000 Mitarbeitern und über 500 Millionen Dollar Jahresumsatz soll noch lange nicht Schluss sein. Greenbergs Truppe vergöttert ihn. Wegen seines Erfolgs und weil er so unglaublich kauzig ist wie an diesem Montag in New York.

1977 als Studio für Filmeffekte gegründet, profitiert die Agentur heute wie kaum ein Wettbewerber von der Digitalisierung. Greenberg hat das Geschäftsmodell von R/GA immer wieder auf den Kopf gestellt und bereits 1995 auf den Siegeszug des Internets gesetzt. Nun kann er sein Unternehmen als Vorbild und Dienstleister zugleich inszenieren: Schaut her, wir atmen Kreativität, Code und Geschäftssinn. Nur so behauptet ihr euch gegen die Googles dieser Welt. Bucht uns, und wir zeigen euch, wie es geht!

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