12.03.2018 
Nach dem Masterplan von Eon und RWE

Was diese Frau mit Deutschlands Atom-Milliarden vorhat

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Anja Mikus soll für Deutschland die Atom-Altlasten zumindest finanziell beherrschbar machen.
Arabesque
Anja Mikus soll für Deutschland die Atom-Altlasten zumindest finanziell beherrschbar machen.

4. Teil: Eine Prise rauer Kapitalismus

Wegen der Niedrigzinsen werden die Geldnovizen besonders starke Nerven brauchen. "Wer in dem Umfeld 5 Prozent Rendite erzielen will, muss zwischenzeitlich auch mal Verluste von 40 Prozent aushalten können", sagt Christian Jasperneite, Chefinvestmentstratege bei M.M. Warburg.

Und was, wenn die Märkte kollabieren wie im März 2009, dem Tiefpunkt der Finanzkrise? Da wären von den knapp 18 Milliarden Euro Risikokapital des Atomfonds wahrscheinlich nur mehr 10 stehen geblieben. Einen derartigen Einbruch will Mikus durch Risikomanagement verhindern, warnt aber schon mal: "Also, es wird anstrengend! Antizyklisches Anlegen verlangt Standvermögen." Nur wenn die meisten pessimistisch seien, "sind die Kurse da, wo man sie haben möchte".

Sie hat mit ihrem Kuratorium über ein solches Szenario gesprochen. Wenn es dann tatsächlich eintritt, sei aber noch mal alles anders. Und Kursverluste mithilfe von Futures und Optionen zu begrenzen, ist teuer.

Das Risiko von Abstürzen lässt sich auch mit sogenannten Absolute-Return-Fonds reduzieren, der letzte von Mikus betreute Fonds Arabesque Systematic etwa steuert seinen Aktienanteil von 0 bis 100 Prozent, je nach Kurstrend. So soll sichergestellt werden, dass die Strategen rechtzeitig vor einem Crash aus Aktien aussteigen. Auf solchen Hedgefonds klebe kein Verbotsschild drauf, so ein Mitglied des Anlageausschusses, gibt aber zu bedenken: "Richtig interessant wird es, wenn das öffentlich thematisiert wird."

Die Bundestagsabgeordneten von SPD und Linke dürften bei allem, worauf das münteferingsche "Heuschrecken"-Label klebt, eher zurückhaltend sein. Mikus hofft, die Politiker mit ihrem Nachhaltigkeitsanspruch gewogen zu halten. Nach dem Motto: viel Grünes und Soziales, dafür aber eine Prise rauen Kapitalismus.

Kuratoriumsmitglied und SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Scheer lobt Mikus dafür, den "Nachholbedarf in der Finanzwelt" anzugehen: "Die UN-Nachhaltigkeitsziele müssen sich auch in Investmententscheidungen wiederfinden."

Zunächst einmal muss Mikus in den kommenden Monaten jedoch Topleute für den Atomfonds gewinnen, und das wird nicht ganz einfach. "Wir zahlen nicht die Gehälter, die große Assetmanager bieten", sagt sie. Dafür bekomme ein Geldexperte bei ihr vom Start an einen "tollen Überblick" und könne viel lernen. Der Staatsfonds als Karrieresprungbrett? Nur wenn Mikus wirklich liefert.

Bislang wird zwar groß gedacht, aber klein gehandelt. Als ihr COO Victor Moftakhar Anfang Dezember 2017 ein erstes Beratermandat für den Aufbau der Arbeitsgrundlagen vergab, sorgte er bei den führenden Consultants für lange Gesichter. Die Branchengrößen hatten teils umfangreiche Konzepte eingereicht, bis hin zur Personalpolitik und Anlageinfrastruktur.

Das nukleare Räumungskommando verzichtete auf die Rundumpakete und wählte eine kleine Lösung, um zunächst einmal Formalitäten wie die Eintragung ins Handelsregister und die Buchhaltung zu erledigen. Den Zuschlag bekam die Berliner Intech GmbH, eine Drei-Mann-Bude um den ehemaligen McKinsey-Berater Wolfgang Meissner. Sie hatte ein solches Minimalangebot erstellt und war vom Bundeswirtschaftsministerium empfohlen worden. Für das hatte Intech zuvor bereits gearbeitet. So läuft das eben, wenn Ministeriale mitreden.

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