12.03.2018 
Nach dem Masterplan von Eon und RWE

Was diese Frau mit Deutschlands Atom-Milliarden vorhat

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Anja Mikus soll für Deutschland die Atom-Altlasten zumindest finanziell beherrschbar machen.
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Anja Mikus soll für Deutschland die Atom-Altlasten zumindest finanziell beherrschbar machen.

3. Teil: Vorbild Yale

Ginge es nach dem Schweden Andersson und Ex-Deutschbanker Wermuth, würden solche Anlagen einen zentralen Bestandteil der Strategie bilden. Für die beiden sind die Stiftungen der US-Eliteunis Harvard und Yale das Vorbild. Yale-Chefanleger David Swensen schaffte in den vergangenen 30 Jahren 12,5 Prozent Rendite pro Jahr. Vergangenen November stellte er bei einer Veranstaltung der Fondsgesellschaft Lupus Alpha in der Alten Oper in Frankfurt sein Modell vor (siehe Grafik).

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Nach Swensens Vortrag kamen zwei Deutsche auf die Bühne: Dieter Lehmann, oberster Vermögensverwalter der Volkswagen-Stiftung, und Stefan Hloch, zuständig für die Pensionsgelder bei Eon. Ihre jährliche Durchschnittsrendite in der vergangenen Dekade: gut 6 Prozent, die Hälfte von Swensens also. Was denn da schiefgelaufen sei, wollte die Moderatorin wissen. Willkommen in Deutschland mit all seinen Vorschriften und Aufsichten, gab Lehmann zurück. Mit 35 Prozent habe er schon einen enorm hohen Aktienanteil für hiesige Verhältnisse, die Hälfte aber müsse er in Zinspapieren halten.

Die Chefinvestorin des Atomfonds hat einen Dreijahresvertrag, doch sie muss bei allen Anlageentscheidungen das Kuratorium der Stiftung hinter sich bringen. Dort sitzen die Ministerialen, drei Beamte des Wirtschaftsressorts mit Thorsten Herdan an der Spitze, ein Fachmann für Energiepolitik. Zwei Kuratoren stellt das Finanzministerium, zwei weitere das Umweltressort. Dazu kommen Vertreter der Bundestagsparteien, die das Parlament nach der Wahl noch bestätigen muss.

Mit Vermögensanlage hat keines der Mitglieder wirklich Erfahrung, und auch die RAG-Stiftung zur Abfederung der Folgekosten des Steinkohlebergbaus taugt nicht als Modell für den Atomfonds: Die RAG-Stiftung investierte im Wesentlichen in ein Asset, den Chemiekonzern Evonik .

Mikus will ihr Kapital breit streuen, sie setzt ganz auf den Finanzmarkt, um ihr Renditeziel zu schaffen. Und genau dies könnte noch zu größeren Verwerfungen führen - an den Börsen wie im Kuratorium.

Denn ob Aktien, Anleihen oder Beteiligungen abseits der Börse - nach der langen Rallye ist fast alles teuer. "Im Moment sind die Renditepotenziale weitgehend ausgeschöpft", gibt Mikus zu. Zwischenzeitliche Verluste sind da kaum zu vermeiden.

Eine Lage, die für Politiker und Beamte in den Ausschüssen höchst heikel ist. "Die pfuschen ständig rein", sagt ein Fondsmanager, der für einen landeseigenen Entsorgungsbetrieb Kapital verwaltet. Obwohl das Geld sicherstellen soll, dass Mülldeponien noch in 100 Jahren versiegelt sind, würden die Bürokraten bei Verlusten sofort hypernervös und drängten auf Aktienverkäufe, "meist zum falschen Zeitpunkt".

So hätte auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt beinahe viel Vermögen vernichtet. Bundesfinanzminister Theo Waigel und sein Staatssekretär Hans Tietmeyer hatten sie 1990 gegründet, mit umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Im Dotcom-Crash zur Jahrtausendwende gerieten Politiker und Beamte in Panik und hätten am liebsten alle Aktien verkauft.

Tietmeyer, inzwischen frisch emeritierter Bundesbankpräsident und noch immer Kuratoriumschef, nordete die Kollegen ein. Die Stiftung hielt an ihrer Strategie fest, ab 2003 erholten sich die Kurse. Das Stiftungsvermögen stieg auf zuletzt 2,1 Milliarden Euro, obwohl zwischenzeitlich 1,7 Milliarden Euro für Projekte ausgezahlt wurden.

Dem Atomfonds fehlt ein solch finanzkundiges politisches Schwergewicht im Kuratorium. Mikus muss darauf vertrauen, dass ihr Anlageausschuss die Kuratoren bei Turbulenzen auf Kurs hält. Dass man bei Rückschlägen sogar mal nachkaufen kann, müsse dem Kuratorium wohl erst noch vermittelt werden, sagt einer. Echte Macht haben die Investmentexperten nicht. "Eigentlich müsste das Gremium Anlagevorschlägeausschuss heißen", konstatiert ein anderer. Formal macht der Stiftungsvorstand unter Mikus einen Kaufvorschlag, der Ausschuss gibt dazu seinen Kommentar und das Kuratorium nickt ihn ab - oder nicht.

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