12.03.2018 
Nach dem Masterplan von Eon und RWE

Was diese Frau mit Deutschlands Atom-Milliarden vorhat

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Anja Mikus soll für Deutschland die Atom-Altlasten zumindest finanziell beherrschbar machen.
Arabesque
Anja Mikus soll für Deutschland die Atom-Altlasten zumindest finanziell beherrschbar machen.

2. Teil: "Blackrock ablösen"

Ohne ausreichende Auswahl an Aktien kann Mikus nicht arbeiten. Weil nur das schlechteste Viertel ausgeschlossen wird, genügt nicht alles, was übrig bleibt, den allerstrengsten ESG-Ansprüchen. Der Billigflieger Ryanair etwa galt bei Arabesque bis zuletzt noch als Beispielunternehmen, trotz des harten Kampfes um einen Betriebsrat, ebenso wie Facebook , trotz der umstrittenen Rolle des sozialen Netzwerks bei der Verbreitung von Fake News im US-Wahlkampf und dessen Monopolmacht. Immerhin, Wertvernichter wie den von einem Bilanzskandal erschütterten Möbelkonzern Steinhoff (siehe mm 9/2017) oder den umstrittenen Pharmakonzern Valeant sortiert das System zuverlässig aus.

Den Anlageausschuss hat Mikus mehrheitlich mit Klimakämpfern besetzt. Drei der fünf Mitglieder sind echte Nachhaltigkeitsenthusiasten: Mats Andersson hat bis 2016 als CEO den schwedischen Pensionsfonds höchst umweltfreundlich geführt. Elga Bartsch, Europa-Chefökonomin bei der Investmentbank Morgan Stanley, schrieb schon ihre Doktorarbeit in Kiel über die Verbindung von Ökonomie und Ökologie.

Der radikalste Öko im Bunde ist Jochen Wermuth. Er hat bei der Deutschen Bank als Investmentbanker ein Vermögen gemacht. Sein Family-Office Wermuth Asset Management ist ein dem Klimaschutz verpflichteter Vermögensverwalter. Er ist fest davon überzeugt, dass die mehr als 20 Billionen Dollar, die in fossilen Energieanlagen stecken, stetig an Wert verlieren werden und Cleantech die nächste große Renditechance ist. In Präsentationen kündigt Wermuth schon mal an, seine Tochter Resource Efficiency and Energy Firm (REEF) werde "Blackrock und Blackstone ablösen", also den größten Vermögensverwalter und die größte Private-Equity-Gesellschaft der Welt.

Der Mann hat eine blühende Fantasie, aber er liefert auch. Sein Green Gateway Fund hat den Wert der Beteiligungen seit 2013 um 160 Prozent gesteigert, gemessen an den Kaufgeboten, die der Fonds für seine Firmen erhalten hat.

Mit solch sauberen Investments dürfte Mikus im Kuratorium auf keinen Widerstand stoßen. Bei Techwetten sieht das schon anders aus. Der Canadian Pension Plan etwa hat anderthalb Jahre lang mit einem eigenen Team zur Zukunft der Automobilität geforscht und ist dann früh in Mobileye eingestiegen, den israelischen Sensorspezialisten für selbstfahrende Autos. Das Kalkül ging auf: Zwei Jahre später übernahm der US-Chipriese Intel Mobileye, und die Kanadier machten einen schönen Schnitt.

Aber würden Politiker Mikus Milliarden für ein riskantes Start-up-Investment bewilligen? "Wir werden nicht nur in Anleihen und Aktien gehen", sagt Mikus diplomatisch.

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