28.11.2017 
Urteile im Schlecker-Prozess

Wie Anton Schlecker sein Discount-Imperium ruinierte

Von Simon Hage und
Steffi Delfmann

Geizig und schlau, eigensinnig und fleißig - so schuf Anton Schlecker sein Discount-Imperium. Und so ruinierte er es später. Innenansichten eines Gescheiterten.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 4/2012 des manager magazins. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Hamburg - Bis vor Kurzem galt Anton Schlecker (67) noch als steinreicher Mann. Jetzt hat er nicht mal mehr eine Kreditkarte, seine Konten führt der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz (42). Dem bankrotten Drogerieunternehmer bleibt nur noch ein Pfändungsschutzkonto ("P-Konto"). Davon kann er jeden Monat bis zu 1.028,98 Euro abheben. Mehr steht einem Pleitier nach dem Gesetz nicht zu.

Will Anton Schlecker mehr ausgeben, muss er seine Frau Christa (64) oder seine Kinder Meike (38) und Lars (40) anpumpen. Die rund 1.000 Euro reichen höchstens für ein paar Tankfüllungen seines silbergrauen Mercedes SLR McLaren. Diesen Boliden wie auch seine anderen Sportwagen darf Autonarr Schlecker vorerst behalten. Insolvenzverwalter Geiwitz wollte ihm nicht auch noch sein letztes Spielzeug wegnehmen, nachdem Anton Schlecker von heute auf morgen alles verloren hat - sein Vermögen, sein Unternehmen, sein Lebenswerk.

Anton Schlecker musste am 23. Januar Insolvenz anmelden - für sein Unternehmen, aber auch privat, weil er seine Firma in der antiquierten Form des eingetragenen Kaufmanns (e. K.) führte und nun persönlich haften muss.

Urteil im Schlecker-Prozess: Bewährung für Anton Schlecker, Haft für Schlecker-Kinder

Anton Schlecker reiht sich damit ein in die unrühmliche Galerie des großen Pleitiers Max Grundig und Fastpleitiers Josef Neckermann, die ihre Unternehmen dank genialen Spürsinns für neue Märkte erfolgreich aufbauten, um sie dann später mit ebenso konsequentem Starrsinn in den Ruin zu treiben.

Hauptgrund für Schleckers Pleite waren nicht die bösen Wettbewerber dm und Rossmann oder die expandierenden Filialisten Lidl & Co., sondern kein anderer als der Firmengründer selbst: Anton Schlecker, der die Augen vor dem Niedergang seines Unternehmens verschloss und ihn deshalb auch nicht verhindern konnte.

Wer ist dieses fallierte deutsche Unternehmensphantom Anton Schlecker, das kaum ein Politiker, Journalist oder Gewerkschafter jemals gesehen hat oder gar kennt, aber über das jeder eine - meist üble - Meinung hat? Und wie konnte ihm diese Pleite passieren?

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