15.01.2018  Achten Sie auf: Philippe Brenninkmeijer

Der neue Regent-Regent aus dem Hause C&A

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Obenauf: Philippe Brenninkmeijer (auf den Schultern von Vertriebschef Peter Kemper) muss Regent mit heißer Nadel zusammenflicken und ist trotzdem gut drauf
Obenauf: Philippe Brenninkmeijer (auf den Schultern von Vertriebschef Peter Kemper) muss Regent mit heißer Nadel zusammenflicken und ist trotzdem gut drauf

Der Spross aus der C&A-Dynastie will dem Edelschneider nach zwei Pleiten neues Leben schenken.

Das folgende Porträt stammt aus der August-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Der Mann, der ein Wunder benötigt, gibt Rätsel auf. Philippe Brenninkmeijer (33), Spross der C&A-Dynastie, geboren in Paris, als Kind 14-mal umgezogen, BWL-Studium in St. Gallen, Lehrling im familieneigenen Konzern, Derivatehändler in London, hat alles hinter sich gelassen, um sich in der Provinz ins Risiko zu stürzen. In Weißenburg bei Nürnberg will er einen Traditionsbetrieb retten, der mit 10.000 Handstichen Anzüge fertigt, die über 1800 Euro kosten und die sich kaum einer mehr leisten will: Regent. Zweimal war die Luxusmanufaktur bereits pleite.

Mit dem rosa Einstecktuch zu edlem Sakko und bunten Socken wirkt Brenninkmeijer wie ein Schnösel aus bestem Haus - wären da nicht die vielen Armbändchen und Sätze wie: "Der Karren steckt im Dreck, jetzt holen wir ihn gemeinsam raus." Mit wir meint er sich, seinen Geschäftspartner Andreas Meier (30), einen Bauunternehmer, den er aus Studientagen kennt, und seine 40 Mitarbeiter. Brenninkmeijer ist ein Kulturschock. Seit er Ende 2016 das Kommando übernahm, hallt das Du durch die alten Gemäuer, Start-up-Atmosphäre auf der Krankenstation.

"Regent ist deutsches Kulturgut, hat sich aber vom Markt entkoppelt", sagt Brenninkmeijer. "Dünnste, schwer zu verarbeitende Stoffe, teuer, nicht formbeständig." Trotzdem kann er nicht alles ändern. Die Luxuslinie bleibt, aber es wird eine 600 Euro günstigere Alternative geben, ohne handgefertigte Knöpfe. 15 Händler wie das Kaufhaus Lodenfrey hat das überzeugt, nächstes Jahr soll ein eigener Flagship-Store folgen. Ab August moderiert Ex-Bayern-Manager Matthias Sammer die Bundesliga in Regent-Anzügen.

Die Firma setzt keine fünf Millionen Euro um und wird, wie Brenninkmeijer einräumt, "nie eine Cashcow", aber er kann sich einmal mehr beweisen. Weil ihm das "amoralische Gezocke" an den Finanzmärkten missfiel, sanierte er zuletzt lieber den Londoner Luxusschneider Huntsman - und verdient statt hoher Boni heute: nix.

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