23.08.2017  Achten Sie auf: John & Patrick Collison

Ein PayPal für Geschäftskunden - nichts weniger

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Knapp 460 Millionen Dollar steckten Investoren, darunter Peter Thiel und Elon Musk, bereits in Stripe. Patrick (o.) und John Collison.
Ole Schleef für manager magazin
Knapp 460 Millionen Dollar steckten Investoren, darunter Peter Thiel und Elon Musk, bereits in Stripe. Patrick (o.) und John Collison.

Die beiden smarten Iren bauen ein PayPal für Geschäftskunden.

Das folgende Porträt stammt aus der März-Ausgabe 2017 des manager magazins.

John (26) und Patrick Collison (28) sind die Wunderkinder des Silicon Valley. Die beiden Iren sind blutjung, smart, erfolgreich - und auch noch sympathisch. Kann das wahr sein?

Bislang deutet jedenfalls alles darauf hin. Ihre Firma, der Zahlungsdienstleister Stripe, warb im vergangenen Herbst 150 Millionen Dollar Wagniskapital ein, die Bewertung stieg auf 9,2 Milliarden Dollar. John darf sich nun "jüngster Selfmademilliardär der Welt" ("Forbes") nennen.

Wagniskapitalgrößen wie Mike Moritz von Sequoia Capital geraten ins Schwärmen, wenn es um Geschäftstalent und Charakter der Collisons geht, sie seien "die scharfsinnigsten Menschen", die er kenne. Bereits als Teenager versilberten die Brüder ihr erstes Start-up in den USA. Danach ging es zum Studium an die Eliteunis Harvard und MIT, was die beiden - natürlich - abbrachen.

Peter Thiel, Elon Musk, Jared Kushner, Google Ventures - die Liste der Collison-Investoren ist lang. Knapp 460 Millionen Dollar flossen bislang in Stripe, der Umsatz soll 2015 ähnlich hoch gewesen sein.

Die Firma agiert im Hintergrund und ist daher kaum bekannt. Während PayPal ein digitales Portemonnaie sein will, schmiegt sich Stripe inkognito in die Systeme seiner Kunden. Neben Tausenden Kleinunternehmern bezahlen auch Bigshots wie SAP oder Macy's dafür, dass Stripe ihre Onlinetransaktionen abwickelt. Der Taxianbieter Lyft nutzt den Dienst dazu, seine Fahrer via spezielle Debitkarten schneller zu bezahlen. Für 2,9 Prozent Kommission kümmert sich Stripe in den USA sogar um Betrugsprävention und die Dokumentation fürs Finanzamt. Kunden müssen nur ein paar Zeilen Code einfügen, um Stripe nutzen zu können - unsere "geheime Soße", wie John Collison das nennt.

Der Mann - kräftig, Babyspeck, Silberschimmer im braunen Haar - spricht extrem schnell. Sein innerer Computer hat, so scheint es, mehr Gigahertz, als seine Umgebung bisweilen verkraften kann. Die Freizeit vertreibt er sich als Pilot und Pianist.

Abzuwarten bleibt, ob der Charme der Collisons auch in Europa verfängt. Stripe berechnet hier etwa 1,4 Prozent Kommission (deutlich weniger als in den USA) und ist trotzdem noch teurer als etwa der Rivale Adyen aus Amsterdam (1 Prozent).

John Collison glaubt, seine Technologie sei es wert, mehr zu bezahlen, weil sie effizienter sei. "Stripe ist einfach besser." Na dann.

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