18.01.2017  Bionade-Gründer Peter Kowalsky

Von der bunten Öko-Limo zum glasigen Heu-Wasser

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  Party aus, Kittel an : Peter Kowalsky (48) hat mit der Ökobrause Bionade (Foto: 2006 auf der Messe Biofach) ein Zeitgeistphänomen geschaffen, doch die Party war vorbei, als Oetker übernahm. Heute steht der Wahlberliner wieder selbst am Braukessel und tüftelt an einem Gesundheitsdrink. Nebenbei verkauft der Lockenkopf Wasser mit Heu-Essenz, außerdem hat er mit seiner 70-jährigen Mutter ein weiteres Start-up gegründet. Ziel ist stets, eine Verbindung von Mensch und Natur herzustellen.
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Party aus, Kittel an: Peter Kowalsky (48) hat mit der Ökobrause Bionade (Foto: 2006 auf der Messe Biofach) ein Zeitgeistphänomen geschaffen, doch die Party war vorbei, als Oetker übernahm. Heute steht der Wahlberliner wieder selbst am Braukessel und tüftelt an einem Gesundheitsdrink. Nebenbei verkauft der Lockenkopf Wasser mit Heu-Essenz, außerdem hat er mit seiner 70-jährigen Mutter ein weiteres Start-up gegründet. Ziel ist stets, eine Verbindung von Mensch und Natur herzustellen.

Als Erfinder der Ökobrause Bionade avancierte er zum Kultmanager, jetzt fängt er noch einmal ganz von vorn an.

Wenn alles plötzlich vorbei ist, fragt man sich, was man eigentlich überhaupt kann", sagt Peter Kowalsky. Mit seiner auffälligen rot-schwarzen Halskette aus Holz, den blonden Locken und seinen blauen Augen wirkt der Erfinder der einstigen Kultbrause Bionade, als wäre die Zeit spurlos an ihm vorübergegangen.

Dabei ist gar nichts mehr wie früher. Mitte 2000 traf der Braumeister aus der beschaulichen Rhön noch den Zeitgeist, seine Bionade avancierte zum "offiziellen Getränk einer besseren Welt". Kowalsky wurde mit Preisen überschüttet, es schien, als wolle die Party niemals enden.

Dann ging Vertriebspartner Rhönsprudel auf dem Höhepunkt des Erfolgs, als Bionade 200 Millionen Flaschen verkaufte, das Geld aus. Der Anteil des Getränkeherstellers wanderte 2009 an den Nahrungsmittelmulti Oetker. Zunächst mühte sich der Gründer noch, den Einstieg als große Chance zu verkaufen. Drei Jahre später zog er entnervt einen Schlussstrich. Wirklich reich geworden ist er mit seiner Bionade nicht.

Um durchzuatmen und neue Pläne zu schmieden, hat sich Kowalsky Zeit genommen. Er ist viel Motorrad gefahren, nach Berlin gezogen und hat nebenbei ein paar Gründer beraten. Jetzt will er wieder angreifen. "Jeder Unternehmer will sich verewigen", sagt er. "Damit habe ich noch nicht abgeschlossen."

Doch wie - ohne das einstige Dreamteam? Kowalskys Stiefvater Dieter Leipold ist vor gut zwei Jahren verstorben, Bruder Stephan braut als "Rhönpirat" wieder Bier.

Also versucht er sich selbst als Miraculix, streift sich einen weißen Kittel über und werkelt in seiner Fuldaer "Druidenküche" unter der Marke Inju an einer Mixtur aus Propolis, Ginseng und Q10. Sie soll das Immunsystem stärken. "Gesundheitsfördernde Produkte sind ein Zukunftsmarkt", sagt Kowalsky.

Der Anfang ist trotzdem schwer. Inju ist seit 18 Monaten fertig, hat es bisher aber nur bei einigen Fitnessstudios und Gesundheitsberatern ins Sortiment geschafft. Kowalsky hat längst neue Pläne geschmiedet. Mit seiner Mutter Sigrid will er den Traum seines Stiefvaters verwirklichen und energetisch positives Wasser verkaufen.

Start-up Nummer drei trägt den Namen "Make your own sunshine" und setzt auf Heu. Gemeinsam mit dem Landwirt Martin Ritter stellt Kowalsky Soda mit Heu-Essenz her. "Manche finden das richtig gut, andere sagen, darauf hat die Welt nicht gewartet", gesteht der Serienerfinder. Doch das ist ihm egal. Was Kowalsky anpackt, soll Mensch und Natur verbinden und Spaß bringen. Er ist stolz, den Limomarkt "bunter" gemacht zu haben. "Das kann mir keiner mehr wegnehmen."

Schiere Größe ist für Kowalsky heute kein Ziel mehr. Das brauche er nicht, um sich gut zu fühlen, beteuert er. Denn er weiß: "Größe kann auch eine Geißel sein."

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