22.09.2017  Digitalisierung der Industrie

Internet der Sprünge - Blockchain verändert alles

Von Eva Müller
REUTERS

5. Teil: Sekunden statt Tage

Blockchain-Fans feiern solche Pionieranwendungen bereits als Einstieg in die autonome Ökonomie der Dinge. Deren digitale Identität werde Innovationen enorm beschleunigen, prophezeit Alessandro Curioni, Forschungsdirektor des IBM-Labors in Zürich.

Die lückenlose Rückverfolgung von Mozzarella wäre so eine Innovation. Beim Transport des Käses darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Wird es zu warm im Lkw, meldet das der Temperatursensor an das Digitaletikett. Die per Blockchain festgelegte Regel "zu warm, weg damit" sortiert die Delikatesse dann automatisch als ungenießbar aus.

Was nach einem Witz des genussfreudigen Italieners klingt, ist für IBM ein ernsthaftes Geschäft. Mit dem US-Handelsriesen Walmart baut der IT-Konzern in China ein System, das die Sicherheit von Lebensmitteln verbessert.

In Dubai wollen die Behörden so bis 2020 sämtliche Handelstransaktionen abwickeln, um sich die Logistik- und Zollbürokratie zu ersparen. In Indien plant das Industriekonglomerat Mahindra das Management seiner Lieferketten per Blockchain zu optimieren, ähnliches hat Japans Autoriese Toyota vor. Pharmakonzerne wollen mit der Supertechnologie ihre klinischen Tests fehlersicher gestalten, Gesundheitsbehörden Patientendaten und Genanalysen unkorrumpierbar übermitteln.

"Bis 2025 werden bis zu 70 Prozent aller globalen Märkte direkt oder indirekt mit Blockchain arbeiten", erwartet Ingo Fiedler, der das Thema an der Universität Hamburg erforscht. Eine Vorhersage, die für Jürgen Müller höchste Relevanz hat. Der Chief Innovation Officer von SAP sieht in der Organisation der Transaktionen zwischen Unternehmen eine gigantische Wachstumschance für den Walldorfer Softwarekonzern. Geschäfte über Unternehmensgrenzen hinweg seien immer noch mit einem unglaublichen Aufwand verbunden. "Wir wollen die mit dicken Papierstapeln verbundenen Vorgänge optimieren."

Ein Projekt zur Vereinfachung des internationalen Zahlungsverkehrs hat SAP auf Blockchain-Basis schon entwickelt. Damit läuft ein Vorgang, der bisher Tage dauerte, binnen 20 Sekunden ab. Mehr als zehn weitere Ideen stecken in der Pipeline - zum Fakt-Checking in Lebensläufen beispielsweise oder zum Immobilienmanagement, bei dem sämtliche Verträge mit Dienstleistern und Handwerkern über die gesamte Lebensdauer (also auch wechselnde Besitzer) eines Gebäudes hinweg einbezogen werden. Die SAP-Tochter Ariba hat gerade angekündigt, ihre Handelsplattform für Firmen auf Blockchain umzustellen.

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