22.09.2017  Digitalisierung der Industrie

Internet der Sprünge - Blockchain verändert alles

Von Eva Müller
REUTERS

2. Teil: Killerapplikation Bitcoin beweist, dass das Blockchain-Prinzip funktioniert

Das Blockchain-Prinzip birgt tatsächlich gigantisches Potenzial für Veränderungen: Mithilfe der digitalen Kassenbücher lassen sich Werte wie Geld, Aktien, Patente oder Eigentumsrechte eindeutig einem Besitzer zuordnen, absolut fälschungssicher übertragen und für alle Teilnehmer transparent darstellen. Mittelsmänner wie Banken oder Notare, die bisher noch als vertrauensbildende Institutionen bei Geschäftsabschlüssen vonnöten waren, wären überflüssig.

Dass die Blockchain-Technik tatsächlich funktioniert, beweist seit Jahren deren Killerapplikation Bitcoin. Eine Einheit der digitalen Währung ist deutlich mehr wert als eine Feinunze Gold - auch wenn die Bundesbank vor Spekulationen mit der Kryptowährung warnt.

Die Faszination für die Grundlage des Digitalgeldes ist längst nicht auf die Finanzwelt beschränkt. Denn Blockchain taugt zu weit mehr als nur zur Abwicklung von Zahlungen. Das Produktversprechen, digitale Geschäfte und Verträge zwischen Millionen von Teilnehmern hochsicher abwickeln zu können, elektrisiert Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen - von der Energiewirtschaft über das produzierende Gewerbe bis hin zum Handel. Die damit verbundenen Produktivitätssprünge wären gigantisch.

IT-Konzerne wie IBM , Microsoft oder SAP versprechen, mithilfe von Blockchain Transaktionen zu automatisieren und das Internet der Dinge (IoT) zu beschleunigen. Dienstleister wie Accenture, Deloitte, Infosys oder KPMG helfen bei der Gestaltung entsprechender Geschäftsmodelle. Wagnisfinanzierer haben bereits mehr als 1,5 Milliarden Dollar in rund 1000 Start-ups investiert, die Blockchain-Lösungen programmieren. Everledger etwa registriert Diamanten, Shocard offeriert einen digitalen Personalausweis, Blockfreight entwickelt Logistiksysteme. 21Inc stellt die nötigen Spezialrechner her und hat mehr als 120 Millionen Dollar eingesammelt.

Auch good old Germany gibt sich experimentierfreudig. Nach Einschätzung von Philipp Sandner, der für die Frankfurt School of Finance ein Blockchain-Center aufbaut, beschäftigen sich drei von vier Dax-Konzernen mit der Technologie. Daimler , Airbus oder SAP sind am Hyperledger-Projekt beteiligt, das Standards etablieren will. Bosch kooperiert mit Cisco und Foxconn im Iot-Blockchain-Konsortium. Selbst im Mittelstand ist Blockchain ein Begriff.

Ob und wie sich die Querschnittstechnologie als Basis für neue Geschäftsmodelle etabliert, dafür sei dieses Jahr entscheidend, sagt Stephan Zimprich. Der Jurist leitet beim Internetverband Eco die Kompetenzgruppe Blockchain und erwartet, dass bald die nötigen Protokolle, Schnittstellen und Standards sowie rechtlichen Grundlagen geschaffen werden. In den kommenden ein bis zwei Jahren könnten dann echte kommerzielle Anwendungen entstehen - knapp zehn Jahre nachdem die Grundidee für die Kryptowährung Bitcoin erstmals unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlich wurde.

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