15.08.2017  Die Luxusuhren der Autohersteller

Wenn die Auto-Uhr teurer als ein Auto ist

Von

Immer mehr Nobelmarken arbeiten mit Autoherstellern zusammen. Davon profitieren beide Seiten.

Es ist ein klarer, knackig kalter Januarabend in der kalifornischen Wüste. Die britische Luxusmarke Bentley lädt ein nach Palm Springs, dem mondänen Rückzugsort für Hollywoodgrößen und Schauplatz des Schlüsselromans "Generation X". Diesmal dient die palmenbewachsene Oase als Kulisse für den neuen Bentayga, das schnellste und teuerste Edel-SUV der Welt.

Überraschungsstar der Feier ist ein kleines Ausstellungsstück, wirkungsvoll ausgeleuchtet auf einer Stele und unter Glas: jene Breitling-Uhr, die auf Wunsch ins Armaturenbrett des Bentayga eingebaut wird und deren raffinierte Komplikation so gegen die Schwerkraft, gegen Quer- und Längsbeschleunigungen sowie gegen alle anderen Naturgewalten anarbeitet, dass daraus größtmögliche Ganggenauigkeit resultiert.

Die diamantverzierte "Mulliner Tourbillon" nutzt Raumfahrttechnologie: Ihr elektrischer "Stepper"-Antrieb ist eine Weltpremiere in der Uhrenbranche, weshalb ein Aufpreis von 150.000 Euro auf das normale Bentley-SUV fällig wird. Wegen der aufwendigen Produktion kann selbst eine große, erfahrene Manufaktur wie Breitling jährlich nur vier Stück herstellen.

Das exklusive Extra im Bentayga ist das jüngste Baby einer bewährten Kooperation: Schon im Continental GT von 2003 - das erste Modell, bei dem die neue Konzernmutter Volkswagen Regie geführt hatte - war eine Breitling verbaut. Seither prangt das geflügelte Markenemblem aus dem Schweizer Jura in allen Bentleys. Zugleich hat der Uhrenhersteller die Kollektion "Breitling for Bentley" aufgelegt. Alljährlich kommt ein weiteres Modell hinzu.

Seit die Uhrenbranche unter Umsatzrückgängen im zweistelligen Prozentbereich leidet, vor allem als Folge der Absatzkrise in Asien, werden die Partnerschaften zwischen Auto- und Chronografenherstellern intensiver. Marken der Luxuskonglomerate LVMH , Richemont und Swatch Group tun sich mit den Automobilisten genauso zusammen wie traditionsbewusste Mittelständler und ultramoderne Nischenanbieter. Immer auf der Suche nach einer Geschäftsverbindung, die beiden nutzt - beim Erschließen neuer Kunden, neuer Materialien oder neuer Designideen.

"Wer sich an der Präzision, der Ästhetik und der handwerklichen Perfektion mechanischer Uhren begeistern kann, der ist oft auch empfänglich für ähnliche Qualitäten in klassischer Automobil- und Motorentechnik. Und umgekehrt", sagt Karl-Friedrich Scheufele, der Co-Chef von Chopard. Die Schweizer Uhrenmanufaktur ist seit knapp 30 Jahren Hauptsponsor der Oldtimer-Rallye Mille Miglia. Mit der Motorsportabteilung von Porsche kooperiert Scheufele seit 2014, als die Stuttgarter wieder beim berühmten 24-Stunden-Rennen von Le Mans an den Start gingen.

1 / 4

Mehr zum Thema